Rio de Janeiro (epd) l Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds bekommen Konkurrenz: Nach jahrelangen Debatten haben die Brics-Staaten ihre Ankündigung wahr gemacht und eine Entwicklungsbank sowie eine Währungsfonds-Miniausgabe ins Leben gerufen. Zwar betonen die Staats- und Regierungschefs der fünf Regionalmächte, es handele sich nur um eine Ergänzung des internationalen Finanzsystems. Doch aus der Abschlusserklärung ihres sechsten Gipfeltreffens liest sich heraus, dass mehr dahinter steht: China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika wollen mit enger Kooperation ihre Wirtschaften stärken und fordern auch weltpolitisch mehr Mitspracherecht.

Der Gipfel in der nordbrasilianischen Stadt Fortaleza verlief ohne Überraschungen. Den ersten Präsidenten der neuen Bank wird Indien bestellen, das die Idee zur Einrichtung des Instituts hatte. Danach wird alle fünf Jahre rotiert. Sitz wird in Schanghai sein, da China die größte Wirtschaftsnation des Blocks ist. Das Kapital der Bank soll zunächst 50 Milliarden US-Dollar betragen. 100 Milliarden sind für den "Mini-Währungsfonds" vorgesehen, von denen China den größten Anteil beiträgt.

Für Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ist die "Zeit des Forderns und Abwartens" vorbei: "Die Neugründungen sind eine konkrete Antwort auf die zögerlichen Reformen der Weltbank und des IWF", erklärte die Gipfel-Gastgeberin nach Unterzeichnung der Verträge. Eine Reform der beiden multilateralen Finanzeinrichtungen wurde zwar 2010 beschlossen, ist aber bislang nicht umgesetzt worden. Vorgesehen war eine Änderung der Stimmrechte, um die Staaten des Südens gegenüber den Industriestaaten zu stärken.