Magdeburg l Kleine Ferkel werden von Mitarbeitern aus dem Stall geholt und mit voller Wucht auf den Boden geschlagen, bis sie sich nicht mehr rühren. Die Muttertiere liegen derweil eingepfercht und durch Eisenstangen fixiert in schmalen Kästen. Viele von ihnen sind übersät mit offenen Wunden, vegetieren vor sich hin. Die Szenen aus mehreren großen Massenzuchtbetrieben in Sachsen-Anhalt, die das ARD-Magazin Report Mainz veröffentlicht hat, haben ein Nachspiel.

"Wir haben leider in unserem Bundesland Tierhalter, die gegen Tierschutzbestimmungen in gravierender, ja in abstoßender Weise verstoßen", sagte Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) am Donnerstag im Landtag. "Derartige Praktiken dulde ich nicht." Er kündigte eine Reihe von Konsequenzen an. Die Behörden sollen künftig stärker kontrollieren, ob die Rechtsvorschriften zur Tötung von Ferkeln eingehalten werden.

Wie jüngste Skandal-Berichte zeigen, werden Ferkel in manchen Schweinezuchtbetrieben rein aus wirtschaftlichen Gründen getötet. Hochgezüchtete Sauen bekommen oft mehr Nachwuchs, als sie tatsächlich versorgen können. Weil die künstliche Aufzucht den Betrieben zu teuer ist, werden überzählige Ferkel kurzerhand erschlagen.

Sündern drohen Haltungsverbote

Nach dem Tierschutz-Gesetz ist das aber verboten. Ferkel dürfen nur im Einzelfall getötet werden, etwa wenn sie schwer krank und nicht überlebensfähig sind. "Wir sollten auch hinterfragen, ob die Tierzucht auf dem richtigen Weg ist, wenn Sauen pro Wurf mehr Ferkel auf die Welt bringen, als sie ernähren können", so der Minister. Aeikens will außerdem die Tierschutzkontrollen ausweiten. Er lässt prüfen, ob großen Schweinezuchtbetrieben gebührenpflichtige Kontrollen auferlegt werden können. Jene Sünder, die mit gravierenden Verstößen auffallen, könnte eine kontinuierliche Überwachung drohen. Im Zweifelsfall müssen Betriebe bei gravierenden Verstößen auch mit Tierhaltungsverboten rechnen. "Ich halte hierbei die Einführung eines bundesweiten Registers zur Erfassung von Tierhaltungsverboten für erforderlich", sagte Aeikens. Der Informationsaustausch der Länder müsse verbessert werden. Die Grünen, die das Thema Tierschutz als Reaktion auf den Fernsehbeitrag auf die Tagesordnung des Landtags gesetzt hatten, mahnten während der Debatte an, dass sich auch die Haltungsbedingungen der Sauen verbessern müssen.

Kastenstände sollen größer werden

"Die qualvolle Enge in den Kastenständen muss so schnell wie möglich beendet werden", forderte die agrarpolitische Sprecherin Dorothea Frederking. Aeikens erklärte hierzu, er will Verbesserungen prüfen und die Kastenstandhaltung von Sauen zum Thema der nächsten Agrarministerkonferenz der Länder machen.

Bernhard Daldrup, agrarpolitischer Sprecher der CDU, warnte während der Debatte aber auch davor, den gesamten Berufsstand zu stigmatisieren. Es handele sich um Einzelfälle, in denen gegen Tierschutzbestimmungen verstoßen werde. "Die Grünen versuchen erneut, eine `Sau durchs Dorf zu jagen´, ohne das Gesamtbild der Landwirtschaft einzubeziehen", kritisierte Daldrup. In Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben der Regierung 571 Schweinebetriebe mit mehr als 1,2 Millionen Tieren.