Stockholm (dpa). Schwedischer als Ikea geht nicht, hat auch der legendäre Firmengründer und Milliardär Ingvar Kamprad immer wieder gern gesagt. Dass er sein Möbel-Imperium dabei seit gut 30 Jahren über eine bisher geheime Stiftung namens Interogo in der "Steueroase" Liechtenstein lenkte, hat jetzt der Stockholmer Sender SVT ermittelt.

Der 84-jährige Kamprad bestätigte schon nach der ersten Frage von Reportern die Existenz der Stiftung mit einem Kapital von neun Milliarden Euro. Den unausgesprochenen Vorwurf der Steuerhinterziehung aber will er nicht auf sich sitzen lassen.

Er bezahle auf Heller und Pfennig alles, was er zahlen müsse, mailte ein offenbar aufgeschreckter Kamprad an die Stockholmer Nachrichten- agentur TT wenige Stunden vor dem Programm von "uppdrag granskning". Aber eben auch keinen Heller mehr. Kamprad bekannte sich zu klaren Zielen in Liechtenstein: "Eine optimierte Steuerstruktur gibt uns Flexibilität bei der Anwendung von Mitteln, die vorher schon einmal besteuert worden sind."

Dabei hatten ihm auch die heimischen TV-Journalisten keine kriminelle Steuerhinterziehung in Liechtenstein vorgeworfen. Sie konfrontierten Kamprads Image als kauziger, heimatverbundener, äußerst bescheidener und längst nicht mehr an den Schalthebeln sitzender "Ikea-Guru" mit einer anderen Wirklichkeit in Liechtenstein: Niemand dort oder in der Zentrale der Inter Ikea Holding war auch nur zur geringsten Auskunft über die Existenz von Interogo bereit.

Bekannt ist seit langem, dass alle rund 300 Ikea-Warenhäuser auf der Welt über ein Franchise-System drei Prozent aller Umsätze an die internationale Holding Inter Ikea abführen. Den daraus gewachsenen gigantischen Milliardenschatz kontrollieren Kamprad und dessen drei Söhne über die Interogo.

Bisher hatte der Schwede mit festem Wohnsitz im schweizerischen Lausanne stets öffentlich erklärt, er habe die gesamte persönliche Verfügung über Ikea an Inter Ikea sowie die Ikea Group abgegeben. Nun aber konnte "uppdrag granskning" Dokumente vorweisen, wonach Kamprad mit Familie über Interogo als absoluter und bisher heimlicher Spitze der Pyramide eben doch weiter das unumschränkte Sagen hat.

Von dieser Konstruktion hätten im Gesamtunternehmen "vielleicht 10 bis 20 Leute" gewusst, meint Kamprads Ex-Assistent Johan Stenebo im TV-Programm. Den steuerfreien Abfluss der drei Prozent vom Umsatz an die von Interogo kontrollierte Inter Ikea findet er nicht juristisch, aber ethisch und moralisch höchst anfechtbar. Er hat in einem im letzten Sommer auch in Deutschland erschienenen Buch Ikea als fast sektenartig geschlossenes Imperium geschildert.

An der Spitze kämpfe Kamprad als Alleinherrscher auch mit 84 besessen um mehr Reichtum. Die Kamprad-Familie kontrolliert die Interogo-Stiftung. Aber sie kann niemals Geld als persönlichen Gewinn daraus abziehen", sagt Kamprad-Sprecher Heggenes an seinem Arbeitsplatz im niederländischen Leiden. Kamprad selbst will den "Geldtank" mit Liechtensteiner Adresse 1980 angelegt haben, um eine Reserve für Ikea zu haben, wenn es der Kette mit 127 000 Mitarbeitern mal weniger gut gehen sollte.

Für sich selbst braucht der gern demonstrativ mit gammeligen alten Autos oder Straßenbahn anreisende Schwede auch nicht mehr. In Schweden ist aber allseits bekannt, dass Kamprad Parkplätze ohne Gebührenpflicht sucht, im Supermarkt geduldig nach Sonderangeboten fahndet und seine Spitzenmanager in billigen Pensionen übernachten lässt. Mit einem geschätzten Vermögen von knapp 20 Milliarden Euro steht er jedes Jahr weit vorne auf der Liste der Allerreichsten auf der Welt.