Ob Schokolade mit Sauerkraut oder Butterkekse mit Ingwer-Zitrone-Geschmack: Mit teils ungewöhnlichen Kreationen wollen die Aussteller auf der Internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln ab morgen Besucher locken.

Köln (dpa). "Es wird immer schwieriger für die Hersteller, ganz neue Produkte zu erfinden", sagt der Geschäftsführer des Süßwarenhandelsverbands Sweets Global Network, Hans Strohmaier. "Es gibt ja von allem möglichen schon die x-te Geschmacksrichtung und die x-te Sorte."

Die Erfahrung zeige: "Die Verbraucher probieren zwar gern etwas Neues aus, aber letztlich kehren sie doch meistens zu Altbewährtem zurück", meint Strohmaier. Gängige Sorten wie Vollmilch, Zartbitter oder Nougat sind den meisten Schoko-Fans auf Dauer wohl doch am liebsten. Und so begnügen sich auch viele Aussteller auf der ISM mit Varianten von bereits Bekanntem: Pralinen bekommen eine andere Form, Bonbons eine andere Farbe oder Plätzchen eine andere Verpackung.

Ein Trend geht dahin, mehr auf "sensible Zielgruppen" einzugehen. So gibt es Backmischungen ohne Gluten und Schokolade ohne Laktose. Insgesamt sind rund 1500 Aussteller aus 64 Ländern bei der viertägigen Fachmesse ISM in Köln dabei.

Generell hat es ein neues Produkt auf dem Süßigkeiten-Markt oft schwer, sich durchzusetzen. Im Schnitt bleibe von zehn Innovationen nur eine auf Dauer, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). "Süßigkeiten haben viel mit Kindheitserinnerungen zu tun", sagt der stellvertretende BDSI-Vorsitzende Tobias Bachmüller. "Deshalb hält sich eine Marke, die es einmal geschafft hat sich zu etablieren, in der Regel über einen sehr langen Zeitraum."

Nur solchen Traditionsmarken gelingt es üblicherweise, dem Handel höhere Preise vorzuschreiben. "Die Marken haben die Macht. Auf die kann ein Händler nicht verzichten", sagt Strohmaier. Für einen Warenkorb aus 14 weithin bekannten Süßwaren-Markenprodukten hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen die Preisentwicklung untersucht. Ergebnis: In Deutschland verteuerten sich diese Waren im Vergleich von November 2009 zu November 2010 um 3,3 Prozent. Im Gesamtdurchschnitt dagegen seien die Ladenpreise für Süßigkeiten 2010 um weniger als 1 Prozent gestiegen.

Die von Sweets Global Network beauftragte Nielsen-Studie zeigt aber auch: Im europäischen Vergleich sind Süßwaren in Deutschland am billigsten. 18,48 Euro kostete dort der Warenkorb aus Schokoriegeln, Bonbons und Kaugummi – im Durchschnitt der 19 untersuchten Länder lag der Preis bei 24,01 Euro. Am zweitgünstigsten konnten die Briten einkaufen (18,92 Euro), an der Spitze stand Norwegen (39,60 Euro).

"Für die deutschen Verbraucher ist das Ergebnis der Studie erfreulich. Gleichzeitig zeigt es aber, wie hart der Wettbewerb in Deutschland ist", sagt der stellvertretende Vorsitzende von Sweets Global Network, Uwe Lebens. Der von den großen Discountern getriebene Preiskampf im Lebensmittelhandel erlaube es den hauptsächlich mittelständisch geprägten Herstellern kaum, Preiserhöhungen durchzusetzen, klagt der BDSI.

Und das, obwohl die Rohstoffpreise weiter steigen. Kakao habe sich 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent verteuert, Weizen um 25 Prozent, Zucker um 32 Prozent, sagt BDSI-Vize Bachmüller. Das belaste die Ertragslage der Unternehmen.

Im Inland ist der Umsatz 2010 um 0,9 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro gesunken. Ins Ausland geht mit 1,7 Millionen Tonnen mittlerweile fast die Hälfte der in Deutschland produzierten Süßigkeiten. Der Exportwert kletterte um 9,5 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.