Magdeburg l Die Stimmung unter den Maschinenbauern in Ostdeutschland hat sich merklich abgekühlt. Im ersten Quartal des Jahres zogen die Unternehmen weniger Aufträge an Land. Mehr Betriebe klagen zudem über eine geringere Auslastung ihrer Werkstätten. Das ergab eine Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Ostdeutschland (VDMA Ost) unter 350 Mitgliedsbetrieben. Demnach gaben 23 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Maschinen nur zwischen 60 und 79 Prozent ausgelastet seien. Rückläufig entwickelte sich auch der Auftragsbestand. 35 Prozent der Betriebe hatten zur Mitte des Jahres weniger Aufträge als im Vorjahr.

"Die Stimmung ist nicht schlecht, weil die Unternehmen davon ausgehen, dass der Aufschwung kommen wird", erklärt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. Wie lange das noch dauern wird, will er nicht prognostizieren. Vor allem die Auftragsrückgänge aus den Entwicklungs- und Schwellenländern machen den Betrieben zu schaffen. Die politische Krise in Osteuropa verschärft zusätzlich das bereits seit 2013 schrumpfende Russland-Geschäft.

Nur der Blick auf Zahlen der gesamten Branche in Deutschland dürfte die ostdeutschen Betriebe zurzeit erfreuen. Denn erstmals seit 20 Jahren arbeiten für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wieder mehr als eine Million Menschen. Diesen Wert hatte die Schlüsselindustrie zuletzt 1993 erreicht. Gemessen an der Beschäftigtenzahl ist der Maschinenbau der größte Industriezweig hierzulande, vor der Auto- und der Elektroindustrie. Die Branche steuert in Deutschland auf ein Rekordjahr zu, obwohl die Produktionsprognose von plus drei Prozent wegen des schwächelnden Russlandgeschäfts wackelt.

Eine Million Beschäftigte in Deutschland

Die Betriebe müssen darauf reagieren. "Einige Unternehmen beklagen einen überaus schleppenden Auftragseingang und langwierige Kundenentscheidungen", so Pätz. Ohne Aufträge wird es für die Maschinenbauer eng. Besonders kleine Betriebe haben wenig finanziellen Spielraum, um Zeiten zu überbrücken, in denen ihre Maschinen stillstehen.

Neben der schlechten Auftragslage in den Büchern schlägt auch die zum 1. Juli in Kraft getretene Rente mit 63 auf das Gemüt der Maschinenbauer. Vor allem für kleine Betriebe hat der vorzeitige Renteneintritt Auswirkungen auf die Personalplanungen. "Ihre intensiven Bemühungen werden ausgehebelt", ärgert sich Pätz. Besonders prekär werde es, wenn ein erfahrener Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand geht und der für die Nachfolge geplante Kollege seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat.

Das Unternehmen von Ingrid Weinhold hat als Folge der Rente mit 63 gleich zwei Mitarbeiter verloren. Sie seien jeweils zu Betrieben gewechselt, die Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet hätten. "Die Politik hat uns keine Möglichkeit gegeben, uns darauf vorzubereiten", beklagt die Geschäftsführerin der Maba Spezialmaschinen aus Bitterfeld-Wolfen.

Für die Unternehmen kann das weitreichende Folgen haben. Wenn die Ausbildung und Einarbeitung von neuen Mitarbeitern nicht rechtzeitig abgeschlossen werden kann, droht ein Wissensverlust. "Dieser Fakt darf nicht unterschätzt werden. Lassen sich frei werdende Stellen nicht nahtlos besetzen, drohen Nachteile in der Wettbewerbsfähigkeit", erklärt VDAM-Ost-Chef Pätz.

Die Maschinenbauer in Ostdeutschland wollen künftig auf flexiblere Arbeitszeitmodelle setzen. Ausscheidende Mitarbeiter sollen weiter in Teilzeit arbeiten können. So sollen Wissen und Erfahrungen über das eigentliche Rentenalter hinaus im Betrieb gehalten werden.