Magdeburg l "Das Fernbusgeschäft geht nahezu komplett an den Busunternehmen aus Sachsen-Anhalt vorbei", beklagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Omnibusunternehmer Sachsen-Anhalt, Tilman Wagenknecht. Nur der Omnibusbetrieb von Stephan Müller aus dem Harz profitiert vom Fernbus-Aufschwung. Mit zwei Bussen fährt der Unternehmer täglich die Strecke von Berlin nach Düsseldorf.

Zurzeit steuern grüne Busse von Marktführer MeinFernbus, blaue Flixbusse oder gelbe ADAC-Post-Gefährte mehr als 200 Städte an. Für lokale Busbetriebe entwickeln sich die Fernreisen zu einem Umsatzbringer. Denn die jungen Marktpioniere wie MeinFernbus oder Flixbus greifen auf regionale Subunternehmer oder Partner zurück, um ihre Routen quer durch Deutschland bedienen zu können. "Durch den Fall des Bahnmonopols hat sich für Busunternehmer ein neuer Markt ergeben", erklärt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Matthias Schröter.

Sachsen-Anhalt ist Durchfahrtsland


Das Berliner Unternehmen MeinFernbus hat in dem umkämpften Geschäft einen Marktanteil von rund 40 Prozent. Zurzeit steuert die grüne Busflotte mit 272 Bussen auf 80 Linien mehr als 210 Haltestellen an. Der relevante Punkt für die Vergabe der Verbindungen an die jeweiligen Subunternehmer ist die Nähe zur Linie, erläutert Unternehmenssprecher Gregor Hintz. "Wenn zur Wartung der Busse und zur Bedienung der Linie große Strecken zurückgelegt werden müssen, verursacht das hohe Kosten", so Hintz. Für viele Unternehmen würde sich das schlicht nicht rechnen.

Der Blick auf den Streckenplan der großen Fernbusanbieter macht das deutlich. Viele Linien führen durch Sachsen-Anhalt. Doch Start- und Zielpunkt der Verbindungen befinden sich in anderen Bundesländern. Erst seit drei Monaten fährt der Harzer Busunternehmer Stephan Müller für MeinFernbus. Die Auslastung schwankt. "Vor allem das Wochenende wird stark nachgefragt" sagt Müller. Dennoch würde er weitere Linien in sein Programm aufnehmen.

Noch kein Fernbus-Anbieter profitabel


Denn der Markt wird 2014 weiter wachsen und sich 2015 sogar noch einmal verdoppeln. In diesem Jahr könnte der Umsatz aller Fernbusunternehmen auf 150 bis 160 Millionen Euro zulegen, prognostiziert die Deutsche Bahn. 2015 könnte der Umsatz sogar auf bis zu 350 Millionen Euro steigen. Neun Millionen Menschen waren 2013 in einem Fernbus unterwegs. "Es ist ein dynamischer Mark, aber ein kleines Segment", erklärt BDO-Sprecher Schröter. Vergleiche mit der Deutschen Bahn stören ihn. Darauf angesprochen, verweist er stets auf die Passagierstatistiken. Mit der Bahn fuhren im vergangenen Jahr rund 130 Millionen Menschen.

Neue Strecken werden beinahe täglich in die Programme der Fernbusanbieter aufgenommen. "Es steht jedem Unternehmen frei, sich bei uns zu bewerben", sagt Maxi Hartung, Sprecherin des ADAC-Postbusses. Qualität und Sicherheit sei für den Anbieter entscheidend. "Nicht wo ein Busunternehmen seinen Sitz hat", so Hartung. Nach BDO-Informationen arbeitet noch kein Fernbus-Unternehmen profitabel. Sprecher Schröter geht davon aus, dass sich künftig die Preise deutlich erhöhen werden. Zurzeit ist die Strecke Berlin - Frankfurt ab 17 Euro zu haben. Anbieter beziffern den Preisvorteil gegenüber der Bahn auf bis zu 80 Prozent.

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