Magdeburg l Im Wettbewerb um Schienen-Netze in Mitteldeutschland ist die Bahn-Tochter DB Regio gegenüber ausländischen Konkurrenten erneut leer ausgegangen. Ab Dezember fahren auf der Strecke zwischen Stendal und Rathenow Züge der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG). Zwischen Halle und Goslar verkehrt künftig der Harz-Elbe-Express (HEX). Das teilte die DB Regio am Freitag in Magdeburg mit.

Die Bahn-Tochter steht schon seit Jahren unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Vor allem Tochtergesellschaften der französischen, niederländischen und italienischen Staatsbahnen setzen sich bei Ausschreibungen von Netzen immer häufiger durch. Wegen der jüngsten Ausschreibungspleiten sind bei der DB Regio nun weitere 75 Jobs bedroht. Feststeht bereits, dass die Bahn-Tochter von 3100 Stellen in Mitteldeutschland 900 streichen will.

Auslöser hierfür ist vor allem der Verlust des großen Saale-Thüringen-Südharz-Netzes an den niederländischen Anbieter Abellio. Das Netz umfasst 9 Millionen Zugkilometer und wurde Abellio bereits im Jahr 2012 zugeschlagen. Aufgrund der jüngsten Pleiten verliert die DB Regio weitere 1,2 Millionen Zugkilometer an die Konkurrenz. Aus Sicht der DB Regio liegt die Pleitenserie bei Ausschreibungen vor allem daran, dass die Konkurrenten ihren Beschäftigten bis zu 30 Prozent weniger zahlen und somit günstigere Angebote für den Betrieb von Strecken abgeben können.

"Hier wird der Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen", kritisiert DB-Regio-Chef Frank Klingenhöfer. Er fordert vom Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa), bei künftigen Ausschreibungen festzulegen, dass die Beschäftigten bei einem Betreiberwechsel eine Übernahme-Chance zu gleichen Konditionen bekommen. Bislang konnte sich Klingenhöfer damit aber nicht durchsetzen. Der Marktanteil der DB-Regio könnte so langfristig von aktuell 65 Prozent (55 Millionen Zugkilometer) auf 50 Prozent (40 Millionen Zugkilometer) fallen. Klingenhöfer schließt daher weitere Stellenstreichungen nicht aus.