Düsseldorf (dpa) l Zwölf Jahre ist es her, dass Ron Sommer den Chefsessel bei der Deutschen Telekom geräumt hat. Doch noch immer erinnert sich der Manager, der am Dienstag 65 Jahre alt wird, genau an diesen Tag.

Er habe damals seine Familie angerufen und gefragt, ob er um den Posten kämpfen oder zurücktreten solle, erzählt Sommer. "Mein einer Sohn sagte: Lass uns die Koffer packen und ab in die USA, ist doch viel schöner. Und der andere, der sehr sportlich orientiert ist, sagte: Du musst kämpfen und du musst gewinnen." Er selbst habe sich dann zum Rücktritt entschlossen - nach langem Kampf.

Vom Höhenflug zum Totengräber


Bis dahin schien es im Leben von Ron Sommer nur eine Richtung zu geben - aufwärts. Nach einem Mathematikstudium erwarb er schon mit 21 Jahren den Doktortitel und machte danach schnell bei Nixdorf und Sony Karriere. Im Mai 1995 wurde er im Alter von gerade einmal 45 Jahren Chef der Deutschen Telekom. Er brachte den Staatskoloss an die Börse und machte Millionen Bundesbürger mit der T-Aktie zu Aktionären.

Doch als die T-Aktie nach einem unglaublichen Höhenflug plötzlich einbrach und Millionen Kleinaktionäre ihr Geld verloren, galt er auf einmal als "Totengräber der Aktienkultur" und "Vernichter von Volksvermögen" - und zog die Konsequenzen.

Wie er den Machtverlust im Jahr 2002 verkraftet habe? "Das war sehr schwierig", räumt er ein. "Aber meine Frau hat mich immer geerdet." Nach dem Abschied von der Telekom habe sie ihm ein regelrechtes "Down-to-earth-Programm" verordnet. So seien sie mit einer Low-Cost-Airline nach London geflogen. "Ich kannte das ja gar nicht, bei der Sicherheitskontrolle das Sakko ausziehen zu müssen und abgetatscht zu werden. Das war gewöhnungsbedürftig." Am Airport habe auch kein Wagen gestanden wie sonst, sondern seine Frau habe ihn zur U-Bahn geführt. Das Programm sei ein voller Erfolg gewesen, meint Sommer. "Heute beherrsche ich alles, was ich brauche."

Telekom hat die USA vernachlässigt


Mit seinen nächsten Schritten im Berufsleben ließ sich Sommer Zeit. "Meine erste Entscheidung war, erst einmal ein Jahr keine Entscheidungen zu treffen", erzählt er. Er habe in dieser emotionalen Ausnahmesituation keinen Fehler machen wollen. Stattdessen machte Sommer den Pilotenschein. Heute ist er unter anderem Aufsichtsratschef des größten russischen Telekommunikationsunternehmens, der MTS, und Aufsichtsratsmitglied beim indischen Software-Riesen Tata Consultancy.

Ganz loslassen kann er die Deutsche Telekom dennoch nicht. Und auch die Kritik von damals nagt offenbar noch an ihm - etwa der Vorwurf, er habe der Telekom mit dem Einstieg in den US-Mobilfunkmarkt ein Riesenproblem aufgehalst. "Die Kritik kann ich bis heute nicht nachvollziehen", meint Sommer. Die USA seien ein Traummarkt. "Der Fehler war, dass die Telekom nach meinem Weggang die USA ein paar Jahre massiv vernachlässigt hat, was Investitionen angeht."

Nicht alle teilen allerdings Sommers Einschätzung. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) etwa meint: "Unter den Folgen einiger Entscheidungen von Herrn Sommer leidet die Deutsche Telekom durchaus noch heute." Das gelte insbesondere für das US-Geschäft. Hoch anzurechnen sei ihm auf jeden Fall, dass er den verstaubten Staatsbetrieb in eine neue Ära geführt habe.Auch der heutige Telekom-Chef Tim Höttges findet zum Geburtstag einige lobende Worte für Sommer: "Er ist es in erster Linie gewesen, der die Telekom zu einem privatwirtschaftlichen und marktorientierten Unternehmen gemacht hat."