Handwerksmeister

Der Meisterbrief ist der Garant für Qualität im deutschen Handwerk. Der Handwerksmeister soll nach abgeschlossener Weiterbildung Spezialist für sein Fachgebiet sein. Außerdem ist er Ausbilder und Unternehmer.

Mit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 fiel für viele Gewerbe der Meisterzwang weg. In 53 Berufen, etwa dem Fliesenleger, konnten seitdem auch ohne Meisterbrief Existenzen gegründet werden. Lehrlinge ausbilden durften die Betriebe aber nicht.

Magdeburg l Die Handwerkskammer in Magdeburg hat Angst. Ihr Meisterbrief ist in Gefahr. Die Europäische Kommission stellt das Qualitätssiegel des deutschen Handwerks auf den Prüfstand. Deutschland soll die Zugangsbeschränkungen zu reglementierten Berufen abbauen, empfiehlt die Kommission in einer Novelle zum nationalen Reformprogramm Deutschlands, die im Juni veröffentlicht wurde.


Als reglementiert gelten Berufe, für deren Ausführung der Staat besondere Abschlüsse und Qualifikationen vorschreibt. Apotheker und Ärzte, aber eben auch Handwerker. Der erschwerte Zugang hindere Arbeitnehmer daran, im europäischen Ausland nach Stellen zu suchen, schreibt die Kommission.

Hohe Zugangsbarrieren für Berufe in Deutschland

Das deutsche Handwerk hat berechtigte Sorgen. "So deutlich wie in der Novelle ist diese Forderung bisher noch nicht formuliert worden", sagt Thomas Rieke, der als Referent für Wirtschaftsthemen in der Ständigen Vertretung Sachsen-Anhalts in Brüssel arbeitet. Zurzeit lässt die Kommission den Zugang zu Berufen in allen Mitgliedsstaaten prüfen. Ein Bericht mit Handlungsempfehlungen soll dann im Frühjahr 2015 folgen. Was da drin steht, dürfte schon jetzt klar sein. In Deutschland sind die Zugangsbarrieren zu Berufen, auch im Handwerk, höher als in anderen EU-Staaten. "Sachsen-Anhalt wird sich auf EU-Ebene für den Erhalt des Meistertitels einsetzen. Das haben wir immer gesagt", erläutert Rieke.

Für die Bundesregierung ist die Sachlage nicht ganz so einfach. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums erklärt zwar, dass über die Abschaffung des Meistertitels nicht diskutiert werde, aber in der Europäischen Union muss an vielen Fronten um Kompromisse gefeilscht werden. "Es liegt an der Bundesregierung jetzt Argumente für den Erhalt des Meisterbriefes vorzubringen", sagt Klaus Müller vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk der Universität Göttingen. Doch die EU ist der Völkerbund der Kompensationsgeschäfte. Das weiß Klaus Müller auch. Wenn die Bundesregierung in einem anderen Bereich eine Entscheidung erzwingen will, könnte sie bereit sein, auf die Zugangsbarriere Meistertitel zu verzichten. Für das deutsche Handwerk wäre das ein schwerer Schlag ins Kontor.

"Wenn der Berufszugang liberalisiert wird, können sich Leute ohne jede Qualifikation, ohne Meisterbrief selbstständig machen", befürchtet der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Peter Telloke. In der Evaluation, die die Kommission gerade durchführt, soll aus Sicht der Handwerkskammer dokumentiert werden, dass eine Berufs-Reglementierung nicht erforderlich oder unverhältnismäßig ist. Telloke fürchtet um die Qualität im Handwerk und um viele Arbeitsplätze.

Bereits im Jahr 2004 beschloss die Bundesregierung eine Novelle der Handwerksordnung. Der Meisterzwang für viele Gewerbe fiel. 53 von 94 Berufen erlaubten nun die Existenzgründung ohne Meisterprüfung. Den Rest stellt die Kommission jetzt zur Debatte. Seit 2004 haben sich Zehntausende Handwerker selbständig gemacht. Mit wenig Ertrag für die Volkswirtschaft. "Diese Novelle führte zu Kümmerexistenzen", so Telloke. Viele der neuen Firmen hätten durch niedrige Preise arrivierte Betriebe gefährdet und seien kurz darauf wieder vom Markt verschwunden. Das will er nicht noch einmal erleben. Meinung