Der Panamakanal

... ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Der Kanal ist rund 80 Kilometer lang. Er beginnt in Colón im Norden und endet nahe Panama-Stadt im Süden. Die Wasserstraße verfügt über drei Schleusen, in denen die Schiffe auf das Niveau des 27 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Gatún-Sees angehoben und später wieder abgesenkt werden. Für die Durchfahrt benötigen die Schiffe durchschnittlich 13 Stunden.

Pro Jahr passieren etwa 14000 Schiffe den Kanal, etwa sechs Prozent des Welthandels. Um künftig auch Frachter mit bis zu 14000 Containern schleusen zu können, wird die Wasserstraße derzeit ausgebaut. (dpa)

1. Welche Bedeutung hat der Kanal für die panamaische Wirtschaft und das ganze Land?
Manuel Benítez: Der Kanal hat immer eine wichtige Rolle für Panamas Wirtschaft gespielt. Nicht nur wegen der direkten Gewinnausschüttung an den Fiskus, dieser Betrag ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt gar nicht so hoch. Aber der Kanal sorgt indirekt für reichlich wirtschaftliche Aktivität, beispielsweise im Bereich der Logistikdienstleistungen. Außerdem ist er natürlich ein nationales Symbol, das auf der ganzen Welt bekannt ist.

2. Es gab zuletzt einige Verzögerungen beim Ausbau des Kanals. Das Baukonsortium fordert die Übernahme von unerwarteten Zusatzkosten in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Mrd. Euro). Können die Arbeiten wie geplant abgeschlossen werden?
Laut unserem Vertrag muss die Erweiterung des Kanals bis Ende 2015 beendet sein. Dann können wir uns über die Nachforderungen unterhalten. Bislang wurden alle Forderungen des Konsortiums im Schlichtungsverfahren allerdings abgelehnt. Wir halten sie wenigstens in dieser Höhe für völlig ungerechtfertigt.

3. Nicaragua will ebenfalls einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Wie sehen Sie diese drohende Konkurrenz?
Das macht uns keine Angst. Grundsätzlich ist Wettbewerb immer gut, er zwingt zu Verbesserungen und Fortschritt. Ich halte den geplanten Nicaraguakanal jedoch nicht für wettbewerbsfähig. Um Ihnen eine Idee zu geben, von was wir hier sprechen: Seit den ersten Versuchen der Franzosen 1880 bis zum Abschluss der Erweiterungsarbeiten werden in Panama 540 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein abgeräumt worden sein. In Nicaragua wollen sie den Plänen zufolge in wenigen Jahren das Zehnfache ausheben.

4. Der derzeitige Ausbau ist noch nicht abgeschlossen, da gibt es bereits vorläufige Pläne für ein viertes Schleusensystem und eine erneute Erweiterung des Kanals. Warum sollte das nötig sein?
Der Kanal ist für uns ein Geschäft. Darin unterscheiden wir uns von den USA, die ihn vor allem selbst nutzten und ihn lediglich kostendeckend betreiben wollten. Wir wollen mit dem Kanal Geld verdienen. Die aktuelle Erweiterung soll den Bedürfnissen der kommenden 20 bis 30 Jahre entsprechen. Wenn sich herausstellen sollte, dass die entsprechende Nachfrage besteht, bauen wir auch ein viertes Schleusensystem.