Bis 2020 eine wirtschaftliche Lösung

Mit dem Projekt Hypos will die mitteldeutsche Region federführend bei der Entwicklung von Wasserstoff als Energiespeicher werden. Hypos steht für "Hydrogen Power Storage Solutions East Germany". Der Verein will die Speicherung von Energie mit Hilfe von Wasserstoff voranbringen.

Nachteil vieler erneuerbarer Energien ist ihre Wetterabhängigkeit. Wird die Sonne von Wolken verdeckt, liefern die Solaranlagen weniger Strom. Stimmen die Voraussetzungen aber, kann es passieren, dass die Netze überlastet werden. Die Frage, wohin mit dem überschüssigen Strom, begleitet die Energiewende von Beginn an.

Die überschüssige Energie aus Solar- und Windparks soll für die Elektrolyse genutzt werden. Die Umwandlung von elektrischem Strom in Wasserstoff ermöglicht es, große Energiemengen aufzunehmen und dann zu speichern. Der entstandene Wasserstoff ist vielseitig einsetzbar, beispielsweise als Grundstoff in der Industrie, als Treibstoff in der Mobilität und als Energieträger bei der Strom- und Gasversorgung.

Bis 2020 will das Hypos-Projekt wirtschaftliche Lösungen ausgearbeitet haben. In Mitteldeutschland gibt es entlang der A 9 die zweitgrößte Wasserstoff-Pipeline Deutschlands mit einer Länge von 150 Kilometern.

Teutschenthal l Die Energiewende gibt es ja auch noch. Fast hätte man sie vergessen in Zeiten der Ukraine-Krise, der Rüstungsgeschäfte und des von Russland verhängten Embargos. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist in diesen Tagen an vielen Fronten unterwegs. Sein Kerngeschäft als Wirtschaftsminster, nämlich die Energiewende in Deutschland voranzubringen, ist da ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Bei seiner Sommertour durch die neuen Bundesländer will der Minister das wieder ändern. Anfang der Woche ließ er sich öffentlichkeitswirksam vor einem Off-Shore-Windpark ablichten. Gabriel mit Schwimmweste, Gabriel als Steuermann. Am Donnerstag in Teutschenthal auf dem Erdgasspeicher-Gelände der Verbundnetz Gas AG (VNG) war die Motivauswahl nicht ganz so vielsagend: Der Minister trug einen gelben Helm.

Im Fokus seines Besuches stand vielmehr die Innovation, für die Gabriel bei der Energiewende große Chancen sieht: Die Speicherung von überschüssiger Energie in Form von Wasserstoff. "Das wird ein zentraler Bestandteil der Energiewende werden", sagt Gabriel.

Pilotprojekt Hypos vereint 80 Unternehmen

Bislang wird Wasserstoff vor allem aus Erdgas gewonnen. In Sachsen-Anhalts Chemiedreieck setzen viele nun auf ein ökologischeres Verfahren. Denn Deutschland will bei der Energiewende auch die einseitige Rohstoffabhängigkeit von Öl und Gas überwinden. Unter Einsatz von viel Energie ist es möglich Wasser den Wasserstoff (Elektrolyse) zu entziehen. Rund 80 Unternehmen aus Mitteldeutschland bringen das Vorhaben voran. Sie haben sich im Projekt Hypos zusammengeschlossen.

In den unterirdischen Speichern der VNG in Teutschenthal soll künftig der gewonnene Wasserstoff gespeichert und bei Bedarf der Industrie in der Region zur Verfügung gestellt werden. "Wir leisten damit einen Beitrag zur Schaffung einer Wasserstoff-Modellregion in Mitteldeutschland, die die gesamte Wertschöpfungskette von Erzeugung, Transport und Speicherung bis zur Verwertung von `grünem` Wasserstoff abbildet", erklärt Volker Busack, Geschäftsführer der VNG-Gasspeicher.

Bei dem Pilotprojekt soll erstmals eine Gas-Kaverne - das ist ein unterirdischer Hohlraum - zum Speicher für Wasserstoff umgerüstet werden. Die Kavernen der VNG sind maximal 100 mal 200 Meter groß und wurden durch das Herausspülen von Salz künstlich angelegt. Sie können jeweils 30 bis 60 Millionen Kubikmeter Erdgas aufnehmen.

Für Gabriel ist das Hypos-Projekt in Mitteldeutschland ein zentraler Punkt der Energiewende. Mit 45 Millionen Euro Fördergeld vom Bundesforschungsministerium sollen bis 2020 wirtschaftliche Lösungen gefunden sein. Energiespeicher gelten als wichtige Bausteine für eine gelungene Energiewende. Denn erneuerbare Energien sind wetterabhängig. In Zeiten von starkem Wind oder Sonne könnten in den Teutschenthaler Energiespeichern dann überschüssiger Strom aus Windparks und von Solaranlagen zur Produktion von Wasserstoff genutzt und dieser unterirdisch gelagert werden. Je nach Energiebedarf stünde dann Wasserstoff zur Verfügung, der in die Pipelines eingespeist werden könnte.

"Wir sind, was die technologische und vor allem auch die wirtschaftliche Nutzung angeht, noch ein paar Jahre davon entfernt, aber umso wichtiger ist es, dass das Projekt beginnt", sagt Gabriel nach seinem Besuch. Deutschland verfüge schon heute über ein gutes Netz an Erdgas-Pipelines und -Speichern. Rund 22 Milliarden Kubikmeter Erdgas könnten so gespeichert werden.

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