Die beispiellose Doppeltragödie von zwei Flugzeugkatastrophen in knapp fünf Monaten hat Malaysia Airlines an den Rand des Abgrunds gebracht. Was kann das Unternehmen retten?

Kuala Lumpur (dpa) l Wer Malaysia Airlines hört, denkt unweigerlich "Katastrophe". Auch, wenn die Airline womöglich völlig unschuldig ist: Zwei Tragödien mit mehr als 500 Toten, und das innerhalb von weniger als fünf Monaten, das kann für eine Airline, die schließlich vom Vertrauen der Passagiere lebt, ein Todesstoß sein.

"In ihrer jetzigen Form glaube ich fest, dass Malaysia Airlines nicht überleben kann", sagte Analyst Mohshin Aziz von Malayan Banking dem Sender Bloomberg Television. "Sie werden ihr Kapital verpulvern und Mitte nächsten Jahres kein Geld mehr haben, um weiterzufliegen."

Da hilft nur eine Radikalkur. Der Mehrheitseigner, der staatliche Vermögensfonds Khazanah, hat grünes Licht gegeben, für alles, was das Überleben der Airline sichert, wie Ministerpräsident Najib Razak versichert. Er appelliert an Management, Mitarbeiter, Gläubiger, Passagiere und das ganze Volk, zusammenzustehen: "Dieser Prozess verlangt allen Beteiligten schmerzliche Schritte und Opfer ab."

Der Handel mit den Aktien wurde am Freitag ausgesetzt. Der Investmentfonds Khazanah Nasional Berhad will die ausstehenden Aktien aufkaufen und das Unternehmen zunächst von der Börse nehmen, wie er in Kuala Lumpur ankündigte. Er strebt an, die Airline voll in staatliche Hand zu bringen. Der Plan für die komplette Umstrukturierung soll bis Ende August vorliegen.

Die Fluggesellschaft ist für Malaysia, was die Lufthansa für Deutschland ist: Urgestein, Erfolgssymbol, Nationalstolz. Anders als die Lufthansa gehört sie zwar nicht zu den größten Airlines der Welt, spielt aber auch in einer 1. Liga: die Consultingfirma Skytrax zählt sie zu den nur sieben Airlines weltweit mit Fünf-Sterne-Service. In die 1. Liga will Malaysia als Volkswirtschaft auch: das Land will bis 2020 in den Kreis der Industrieländer vorstoßen. Das Flaggschiff Malaysia Airlines zu verlieren, ist deshalb undenkbar.

Nach dem bis heute spurlosen Verschwinden von MH370 und dem Absturz von MH17 über der Ukraine sagte Maybank-Analyst Mohshin Aziz im Juli der BBC: "Man muss sich fragen, ob eine Marke so etwas überstehen kann." Das fragt sich der staatliche Krisenstab auch. Im Juli sickert durch, dass er einen neuen Namen in Erwägung zieht. Schwierig, wenn "Malaysia" im Namen als Nationalsymbol erhalten bleiben soll.

Mit einem neuen Namen ist es aber auch nicht getan. Das Flaggschiff schlingerte schon vor den Katastrophen. Die Airline meldete drei Jahre in Folge rote Zahlen, eine Milliarde Euro Verlust von 2011 bis 2013. Die Aktien stürzten in diesem Jahr um 23 Prozent ab. Das Unternehmen hat 20000 Mitarbeiter - zu viel bei dieser Größe, sagen Analysten, bei 150 Flugzeugen in der Gruppe und rund 15 Millionen Passagieren im Jahr. Restrukturierungen sind bislang gescheitert. Zu viel Einmischung von oben, heißt es. Die Postenvergabe und Managemententscheidungen hätten sich nicht immer daran orientiert, was für das Geschäft das Beste war.

Billigkonkurrenz steht vor der Haustür

Womöglich müssen die prestigeträchtigen Langstrecken-Routen eingedampft werden. Die Billigkonkurrenz sitzt direkt vor der Haustür: Air Asia, in Kuala Lumpur zu Hause, macht vor, wie man auf kurzen Strecken richtig Geld machen kann. Sie jagt dem Konkurrenten immer mehr Passagiere ab. Im Februar bezichtigten sich beide gegenseitig eines Preiskriegs mit Dumpingpreisen. "Wir müssen auf den Markt reagieren, sonst werden wir unsere Tickets nicht los", verteidigte sich Malaysia-Airlines-Chef Ahmad Jauhari im Februar.

Spekuliert wird auch über einen Investor von außen. Etihad, der arabische Großaktionär von Air Berlin, war immer wieder im Gespräch. Das Unternehmen hat ein geplantes Engagement im Juni aber dementiert.