Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat zum Jahresbeginn fast das Niveau des Vorkrisen-Aufschwungs erreicht. Die Zahl der offenen Stellen lag im Januar nur knapp unter der Zahl von Februar 2007, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Veröffentlichung ihres Beschäftigungsindex BA-X für Januar gestern mitteilte.

Nürnberg/Halle (dpa). "Aktuell lässt die positive wirtschaftliche Entwicklung die Nachfrage nach Fachkräften noch steigen", schätzte die Bundesagentur ein. Der Beschäftigungsindex kletterte um 4 auf 159 Punkte. Er befindet sich damit seit Frühjahr 2009 im Aufwärtstrend.

Hohen Mitarbeiterbedarf meldeten weiterhin Zeitarbeitsunternehmen; jede dritte gemeldete Stelle stamme aus dieser Branche, berichtete die Bundesagentur. Aber auch im Handel, im Bausektor, in der Gastronomie und im Gesundheitssektor würden derzeit viele Mitarbeiter gesucht. Über drei Viertel der bei der BA gemeldeten Stellen seien Vollzeitstellen, mehr als drei Viertel der angebotenen Arbeits- plätze sähen eine unbefristete Beschäftigung vor.

Frost und Schnee haben am Jahresanfang trotz der insgesamt positiven konjunkturellen Entwicklung zu einer Zunahme der Arbeitslosenzahlen geführt. Insgesamt seien im Januar rund 3,33 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen, berechneten Volkswirte deutscher Großbanken. Dies wären 320 000 mehr als im Dezember und damit etwa so viele wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Im Vergleich zum Januar 2010 sank die Zahl der Erwerbslosen um rund 280 000. Die offiziellen Zahlen veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit heute.

Insgesamt entwickele sich der Arbeitsmarkt positiv, versicherten die Fachleute übereinstimmend. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zwischen 350 000 und 500 000 sei in den drei Wintermonaten üblich. Ziehe man diesen Saisoneffekt ab, habe sich die Zahl der Jobsucher kaum verändert, betonen die Fachleute. Einige sehen im Januar sogar einen saisonbereinigten Rückgang der Arbeitslosigkeit von rund 10 000 im Vergleich zum Dezember 2010. "Wir rechnen auch im Winterhalbjahr nicht mit einem Abschwung", betonte der Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld.

Hypovereinsbank-Volkswirt Alexander Koch sieht hingegen den Zenit überschritten. Während der Arbeitsmarkt bei früheren Konjunkturaufschwüngen meist erst im zweiten Jahr davon profitiert habe, sei dieser Effekt schon 2010 verbraucht worden.

Sachsen-Anhalter arbeiten länger

Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt haben 2010 vergleichsweise viel gearbeitet. Die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit eines Beschäftigten im Land betrug 1462 Stunden. Das waren 43 Stunden oder etwa eine Arbeitswoche mehr als im Bundesdurchschnitt mit 1419 Stunden. Das errechnete das Statistische Landesamt in Halle. Grund für den Unterschied seien zum Beispiel verschiedene tarifliche und individuelle Arbeitszeiten. Dazu zählen Vollzeit, Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung.

In den alten Bundesländern (ohne Berlin) arbeitete ein Erwerbstätiger im vergangenen Jahr durchschnittlich 1408 Stunden und in den neuen Ländern (ohne Berlin) 1470 Stunden im Jahr. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, das die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen umfasst, stieg in Sachsen-Anhalt nach einem Rückgang im Vorjahr wieder an.

Im Vergleich zu 2009 waren es 35,4 Millionen Stunden oder 2,4 Prozent mehr. Ausschlaggebend dafür war die Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen um 4500 Menschen ( plus 0,4 Prozent). Die insgesamt 1 013 800 Beschäftigten im Land leisteten 2010 insgesamt fast 1,5 Milliarden Arbeitsstunden.