Hoym (dpa) l Die Bauern in Sachsen-Anhalt fahren in diesem Jahr eine überdurchschnittliche Getreideernte ein - können sich an den großen Mengen aber nicht so richtig erfreuen. Denn wegen des weltweit großen Angebots sind die Preise deutlich gefallen, wie der Präsident des Bauernverbandes von Sachsen-Anhalt, Frank Zedler, mitteilte. Beispiel Winterweizen: Auf fast 330 000 Hektar wurde die wichtigste Ackerbaukultur Sachsen-Anhalts angepflanzt. Auf jedem Hektar (10 000 Quadratmeter) werden nach Schätzungen des Verbandes rund 86 Dezitonnen (umgerechnet 8600 Kilogramm) geerntet. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig ging aber der Preis von einst 18 bis 19 Euro um fast ein Viertel zurück. Unter dem Strich sinken damit die Verdienste - zumal die Kosten für Betriebsmittel und Ackerböden gleichzeitig gestiegen sind.

Ursache für die gute Ernte dieses Jahr war vor allem der ausreichende Niederschlag. "Mengenmäßig ist da eine ganze Menge passiert", sagte Zedler. Auch der Winterraps - der auf knapp 180 000 Hektar angebaut wurde - profitierte vom Wetter. Der ausreichende Regen sorgte zudem dafür, dass in diesem Jahr keine Mäuseplage entstand. Bei häufigem Regen bekämen die Mäuse häufiger einen Schnupfen und könnten sich nicht so stark vermehren, meinte Zedler.

Gegen die sinkenden Preise sichern sich die Bauern zum Teil über Termingeschäfte ab. In den vergangenen Jahren waren Spekulanten, die die Absicherungsgeschäfte mit den Erzeugern abschließen, für massive Preiserhöhungen verantwortlich gemacht worden. Dieselben Spekulanten sorgten nun aber auch für niedrige Preise, was ärmeren Ländern auf der Welt helfe, sagte Bauern-Vizepräsident Torsten Wagner. "Die bösen Spekulanten sorgen auch für niedrige Preise." Von der Ukraine-Krise erwartet der Verband indes keine großen Auswirkungen auf die Preise.

Der Bauernverband distanzierte sich auf seiner Ernte-Bilanz klar von Verstößen gegen den Tierschutz, die zuletzt unter anderem in einer Fernseh-Reportage angeprangert worden waren. "Die jüngst in den Medien veröffentlichten Ferkeltötungen entsprachen nicht dem Tierschutz und werden unsererseits scharf verurteilt", sagte Eberhard Stahr, ebenfalls Vize-Präsident im Verband. Die Behörden müssten Rechtsbrüche konsequent verfolgen.

Skeptisch sieht der Bauernverband einen Vorstoß der EU, zum Schutz der Bienen eine Behandlung des Raps-Saatgutes mit drei Insektiziden testweise für zwei Jahre zu verbieten. Die Folge sei nur, dass dann die jungen Pflanzen mit Insektiziden behandelt werden müssten, sagte Verbands-Präsident Zedler. Dann werde das Gift an der Oberfläche ausgebracht, statt mit dem Saatgut direkt in die Erde. "Man tut sich keinen Gefallen damit", sagte Zedler.

Bilder