Magdeburg l Drahtloses Internet für ihre Gäste anzubieten ist für Hoteliers und Gastwirte nicht ohne Risiko. Denn die Café-Besitzer haften, wenn ihre Gäste im Internet illegale Dateien herunterladen. Urheberrechtsverletzungen zum Beispiel durch illegales Filesharing - also das digitale Teilen von Daten - können schnell saftige Abmahnungen zur Folge haben. "Viele Gastwirte und Hoteliers schrecken deswegen noch davor zurück ihren Gästen WLAN zur Verfügung zu stellen", erklärt Steffen Schindler vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sachsen-Anhalt.

Eine Software, entwickelt von zwei jungen Sachsen-Anhaltern, soll Gastwirte und Hoteliers vor möglichen Abmahnungen schützen. "Sorglosinternet" heißt die Firma passenderweise, die Alexander Prokop und Amadeus Scherkenbach aus Zerbst zusammen mit einem Kollegen im vergangenen Jahr in Berlin gegründet haben. Das Prinzip des Unternehmens ist simpel. Die Hoteliers und Gastwirte hinterlassen mithilfe der Software im Internet keine Spuren. Alle gesendeten Daten werden über einen Server von "Sorglosinternet" verschlüsselt. "Abmahner erfahren somit gar nicht, wer vertragliche Ansprechpartner von Internetzugängen sind", erklärt Alexander Prokop.

Abmahnungen werden wirkungslos


Das Unternehmen verzichtet als Dienstleister auf die Aufzeichnung der Nutzeraktivitäten. Eine spätere Zuordnung sei deshalb nicht möglich. "Abmahnungen laufen ins Leere", so der 29-Jährige. Als Telemediendienstleister ist die Firma nicht verpflichtet Daten der Nutzer abzuspeichern. Der Dehoga bezeichnet dieses System als rechtlich sicherste Lösung. Denn das Angebot und der Anschluss werden von einem eigenständigen Dienstleister gestellt. "In unserem Haus gibt es für unsere Gäste erst Internet, seitdem wir mit Sorglosinternet zusammenarbeiten", sagt Ralf Kolligs, der in Schierke am Brocken Ferienwohnungen betreibt. "Wir hatten Angst vor einer Abmahnung", so der 37-Jährige.

Auch Simon Wirth, der im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ein Café und eine Pension betreibt, lässt seine Gäste nur über die Software aus Sachsen-Anhalt ins Internet. Als Gastwirt bekam er erst vor ein paar Monaten eine Abmahnung. "800 Euro sollte ich zahlen. Für eine Musikdatei, die ich nie heruntergeladen habe", so der 54-Jährige. Er nahm sich einen Anwalt, das Verfahren läuft noch.

Gesetz soll künftig Gastwirte schützen


Gastwirte und Hoteliers werden derzeit deutschlandweit immer mal wieder abgemahnt, wenn sich Kunden über offene WLAN-Netzwerke etwa raubkopierte Filme herunterladen. Die Politik reagiert. Noch in diesem Monat soll im Bundeskabinett ein Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) beschlossen werden, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Koalitionskreise. Gastwirte und Hoteliers sollen dann künftig ihren Gästen Zugang zum Internet anbieten können, ohne sich sorgen zu müssen, abgemahnt zu werden.

Das sogenannte Haftungsprivileg im Telemediengesetz werde in dem Entwurf auf WLAN-Betreiber ausgeweitet. Dem Bericht zufolge könne die Änderung im November im Bundestag beraten werden und Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten. Die Software-Entwickler aus Sachsen-Anhalt müssten sich dann eine neue Geschäftsidee einfallen lassen.

   

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