Moovel
Vor gut zwei Jahren startete Daimler die Mobilitätsplattform Moovel als Pilotprojekt in Stuttgart, noch im gleichen Jahr folgte Berlin. Die Smartphone-App vereint verschiedene Verkehrsangebote, von der Bahn über öffentlichen Nahverkehr, Mitfahrgelegenheiten oder Daimlers eigenem Carsharing-Projekt Car2Go.

Seit Februar 2013 ist die Taxi-App MyTaxi integriert. Seit April 2014 firmiert auch die zugehörige Daimler-Tochter unter dem Namen Moovel, sie ist aus der Daimler Mobility Services GmbH hervorgegangen. Seit dem Frühjahr können MyTaxi und Car2Go über die Plattform abgerechnet werden.

MyTaxi
Das Startup Intelligent Apps hat die Smartphone-App MyTaxi 2010 auf den Markt gebracht. Ursprünglich hatten die beiden Gründer Jan-Niclaus Mewes und Sven Johannes Külper den Plan, mit mehreren Apps Geld zu verdienen.

Doch der Erfolg von MyTaxi reichte aus: Inzwischen wurde das Handyprogramm, dass die direkte Verbindung zwischen Fahrgast und Taxifahrer ohne den Umweg über die Taxi-Zentrale ermöglicht, mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen. Der Dienst ist in mehr als 40 Städten verfügbar, 45 000 Taxis sind angeschlossen. (dpa)

Stuttgart/Hamburg (dpa) l Mitten im Branchenstreit mit dem Fahrdienst Uber steigt der Autokonzern Daimler stärker ins Taxi-Geschäft ein. Die Daimler-Tochter Moovel übernimmt den Betreiber der Taxivermittlungs-App MyTaxi, die Intelligent Apps GmbH aus Hamburg. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Laut Insidern dürfte sich dieser aber im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen. Mit Hilfe der Übernahme solle die internationale Expansion der Taxi-App vorangetrieben werden, teilten die Unternehmen mit.

Moovel hielt bereits zuvor Anteile an MyTaxi. Seit 2012 habe die Zusammenarbeit der beiden Firmen eine "überaus dynamische Entwicklung" genommen, sagte Moovel-Chef Robert Henrich der dpa. "Mobilität wird sich in Zukunft sehr tiefgreifend verändern", erklärte Henrich. Es finde derzeit ein Paradigmenwechsel statt. "Und wir stehen gerade erst am Anfang der Entwicklung."

Zugleich übernimmt Moovel für den Markt in Nordamerika den Anbieter RideScout. Alle Unternehmen sollen an ihren bisherigen Standorten eigenständig weitergeführt werden. Neben Daimler investieren auch Hersteller wie BMW oder Volkswagen in neue Mobilitätskonzepte. Um Apps und strategische Beteiligungen ausfindig zu machen, hat BMW den Wagniskapitalgeber iVentures ins Leben gerufen.

MyTaxi werde noch weiter in die Plattform von Moovel integriert, die künftig die ganze Bandbreite moderner Mobilitätsangebote abbilden solle. Neben dem öffentlichen Nahverkehr und der Bahn spielten dabei auch Taxis und Mitfahrangebote eine maßgebliche Rolle. Mit über zehn Millionen Downloads sei MyTaxi weltweit Spitzenreiter unter den Taxivermittlungs-Apps, hieß es.

Das neue Geschäft bringt Daimler inzwischen Erlöse, auch wenn diese bei einem Jahresumsatz von fast 120 Milliarden Euro nur einen sehr kleinen Teil ausmachen. "Wir werden mit Car2Go und Moovel einen Umsatz von 100 Millionen Euro bis Ende 2014 erreichen", sagte Moovel-Finanzchef Marcus Spickermann. Zu möglichen Gewinnen oder Verlusten gab es keine Aussagen.

Die Daimler-Tochter will mit den Übernahmen ihre Position in dem sich rasant entwickelnden Markt ausbauen. "Wir wollen Mobilität so einfach machen wie möglich. Daher treiben wir die Vernetzung von Mobilitätsangeboten konsequent und international voran", sagte Henrich. Auch die Buchung und bargeldlose Zahlung sollen über die Plattform möglich sein.

Anders als Anbieter wie etwa das amerikanische Start-up Uber, das auch private Fahrer mit Kunden zusammenbringt und so das Taxigewerbe gegen sich aufbringt, strebt Moovel eine friedliche Kooperation mit den etablierten Zentralen an. "Wir suchen die Zusammenarbeit und möchten eine Einladung dazu aussprechen", sagte Henrich.

Gerade in Deutschland gebe es ein hohes, schützenswertes Qualitätsniveau. "Wir nehmen wahr, dass bei anderen Wettbewerbern aus dem Ausland die Wellen hochschlagen", sagte Henrich. Diese hielten sich teilweise nicht an den ordnungspolitischen Rahmen. Uber ist mit dem Taxigewerbe in Auseinandersetzungen verstrickt. Die etablierten Anbieter werfen dem Online-Vermittler unfairen Wettbewerb vor.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband BZP wertete die Übernahme als "klares Bekenntnis" von Daimler zur legalen Personenbeförderung. Daimler sei ein "starker Mitstreiter" zur Abwehr illegaler Marktteilnehmer, sagte BZP-Chef Michael Müller mit Blick auf Uber. Andererseits erhöhe die Übernahme den Druck auf die Taxizentralen.