So funktioniert die Wirtschaft des Teilens

Die Zahl der Unternehmen in der sogenannten "Sharing Economy" (auf Deutsch: Wirtschaft des Teilens) wächst stetig. Unter den Begriff werden Angebote gefasst, bei denen Waren oder auch Dienstleistungen zwischen Nutzern geteilt werden. Es geht dabei keineswegs nur um Tauschgeschäfte unter Verbrauchern.

In der "Sharing Economy" sind auch große kommerzielle Unternehmen unterwegs, die die Vermittlung organisieren und über eine Vermittlermarge Gewinne erzielen.

Autos werden in Deutschland schon lange professionell geteilt. Carsharing-Unternehmen gibt es seit 25 Jahren, auch Autohersteller sind in das Geschäft eingestiegen.

Eines der bekanntesten Sharing-Unternehmen ist der 2008 im Silicon Valley gegründete Online-Marktplatz AirBnB. Der ursprüngliche Name "Airbed- andbreakfast" (auf Deutsch: Luftmatratze und Frühstück) - wurde mittlerweile gekürzt, das Unternehmen hingegen ist stark gewachsen. Sein Wert wird auf zehn Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend.

Bei AirBnB können private Vermieter über die Online-Plattform ihr Zuhause an Menschen vermieten, die in ihrer Stadt eine Unterkunft "fernab vom Pauschaltourismus" suchen. Den Unterkunftspreis legt der Vermieter fest, das Unternehmen erhält von beiden Parteien Anteile. Weitere solcher Plattformen wie zum Beispiel das in Deutschland gegründete 9flats.com oder Wimdu sind entstanden. Dieser Sharing-Trend bereitet den Hoteliers große Sorgen.

Einer der ganz Großen in der "Sharing Economy" ist auch der US-Privatfahrtenvermittler Uber. Über eine Smartphone-App oder über eine Online-Plattform werden private Fahrer und Fahrzeuge an Fahrgäste vermittelt. Das Unternehmen hat inzwischen in 43 Ländern Niederlassungen und kassiert für jede Transporttransaktion 20 Prozent Vermittlungsmarge. Das Frankfurter Landgericht hat zwar das Geschäftsmodell in einer Eilentscheidung verboten, Uber zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und macht weiter.

Neben großen Sharing-Unternehmen gibt es viele kleine Teilplattformen, auf denen Mode, Spielzeug, Gärten, Bücher und mehr geteilt wird - dabei auch solche, die ganz ohne Geld auskommen oder bei denen Leihpreis und Bedingungen ausschließlich zwischen den Beteiligten besprochen werden. Bei foodsharing.de stellen Nutzer übriggebliebene oder zu viel eingekaufte Nahrungsmittel auf die Internetseite, damit Interessierte sie abholen: Was sonst weggeworfen würde, wird hier verschenkt.

Bei frents.com - abgekürzt für "friends rent things" - leihen Nutzer Gegenstände aus der Nachbarschaft aus. Gleich auf der Startseite erscheint eine "Karte der nutzbaren Dinge einer Gesellschaft", auf der virtuell angezeigt wird, dass drei Straßen weiter zum Beispiel ein Rasenmäher zur Verfügung steht. Ähnlich funktionieren auch die Plattformen wir.de oder leih-dir-was.com. Auch zahlreiche Portale im Bereich Mode oder Spielzeug funktionieren wie virtuelle Flohmärkte - immer häufiger gibt es sie auch als Smartphone-App.

Sogar eine geteilte Versicherung gibt es mit dem Start-up friendsurance. Hier springen miteinander befreundete und vernetzte Versicherte bei Bagatellschäden füreinander mit vorher festgelegten Beträgen ein. Teilnehmende Versicherungen senken dafür ihre Prämien, da sie von der Erstattung kleiner Schäden verschont bleiben. (epd)

Frankfurt am Main (epd) l David Weingartner sagt über das Autofahren: "Ich wüsste nicht, warum ich ein eigenes Auto brauche." Dabei fährt der Münchner Berater gern und braucht auch aus beruflichen Gründen immer wieder einen Wagen. Er leiht ihn sich dann über einen Car-Sharing-Anbieter, wie es sie inzwischen in jeder größeren Stadt gibt. Die Unternehmen bekommen eine Gebühr, die Autobesitzer die Spritkosten erstattet und - je nach Vereinbarung - eine Versicherungspauschale und einen Leihpreis.

"Ein Carsharing-Fahrzeug kann acht Autos ersetzen", sagt Weingartner, der für das Netzwerk Ouishare Unternehmen und Verbraucher über kollaborative Wirtschaftsformen wie Tauschen und Teilen berät. "Die Ressourcen der Welt werden knapp. Schon deshalb müssen sich sparsamere Wirtschafts- und Konsumformen entwickeln."

Zum Teilen und gemeinsamen Nutzen gibt es im Internet reichlich Angebote: Von Rasenmähern und Übernachtungsmöglichkeiten bis zum privaten Kredit oder der überschüssigen Suppe von der letzten Party - alles kann ge- und verliehen werden. "Tauschen und Teilen gibt es zwar seit der Steinzeit", sagt Weingartner. "Durch die digitale Vernetzung ist es aber viel einfacher und in größerem Umfang möglich, da die passenden Tauschpartner einfach per Smartphone-App gefunden werden können."

Menschen kennenlernen und dabei Geld sparen


Mehr als die Hälfte der Deutschen hat schon Erfahrungen mit dieser Wirtschaftsform gemacht, zeigt eine Studie der Universität Lüneburg zur "Sharing Economy", wie die Wirtschaftsform im Vergleich zur etablierten "Old Economy" genannt wird. "Besonders die jüngere Generation belebt das Teilen im Internet", sagt Nachhaltigkeitsforscher Harald Heinrichs. "Neben dem Wunsch, schonender zu konsumieren, geht es auch darum, über das Teilen Menschen kennenzulernen und Geld zu sparen."

Auch eine Studie der Forscher vom Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut GDI zeigt: Konsumenten wollen zunehmend "nutzen statt besitzen", beinahe täglich entstünden neue Online-Startups, die Waren und Dienste für alles anbieten, was sich teilen lässt.

"Die Vorstellung von Status verändert sich", sagt der Lüneburger Professor Heinrichs. "Statt ein Auto zu besitzen, wird es wichtiger, sich flexibel den Zugang zu Konsumgütern verschaffen zu können." Er sieht auch deshalb großes Potenzial in der "Sharing Economy".

Besseren Zugang zu Konsumgütern


Ihre Auswirkung auf die Volkswirtschaft ist allerdings unerforscht: Kaufen Menschen weniger neue Produkte, wächst nach den üblichen Kennzahlen die Wirtschaft langsamer. "Allerdings haben Menschen bei einer stärkeren Teilwirtschaft besseren Zugang zu Konsumgütern", sagt Heinrichs. "Und es werden weniger Ressourcen gebraucht." Im großen Stil könne eine "Sharing Economy" aber nur in stabilen Staaten wie den Ländern der EU oder in den USA funktionieren, sagt der Augsburger Wirtschaftswissenschaftler Daniel Veit. "Teilen braucht Vertrauen und ein Mindestmaß an Wohlstand, da ja etwas zum Teilen da sein muss."

Doch ist die Teilwirtschaft längst mehr als eine alternative Nische. Das inzwischen milliardenschwere Vermittlungsportal für private Unterkünfte AirBnB bietet 800.000 Übernachtungsmöglichkeiten in 190 Ländern an - und macht so den Hotels massiv Konkurrenz. Weltweit stört sich die Tourismusbranche daran, dass sie für Hotelräume Steuern abführen und Sicherheitsstandards einhalten muss, was aber für die privaten Zimmer-Vermieter nicht gelte.

Das Landgericht Frankfurt hat vergangene Woche dem Mitfahrdienst und Taxischreck Uber untersagt, Kunden an Fahrer zu vermitteln, die keinen Personenbeförderungsschein besitzen. Doch das US-Unternehmen mit einem Umsatz von 213 Millionen Dollar hat angekündigt, seine Tätigkeit in Deutschland fortzusetzen. "Eine politische Regulierung der \'Sharing Economy\' ist überfällig", sagt Veit. "Digitale Medien haben eine neue Dimension der Tauschwirtschaft eröffnet, für die nun auch neue Spielregeln gefunden werden müssen."

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