Berlin (dpa) l Der Euro kennt in diesen Tagen nur eine Richtung: Nach unten. Beim aktuellen Stand von weniger als 1,29 Dollar macht der Kursverlust im Vergleich zum Jahreshoch von gut 1,39 Dollar schon mehr als sieben Prozent aus. Auch zu anderen wichtigen Währungen lässt der Euro nach - sogar im Vergleich zum seinerseits schwächelnden britischen Pfund. Den Eurokurs zu drücken ist mittlerweile ein erklärtes Ziel der Europäischen Zentralbank, wie Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny betont hat.

Ein bemerkenswerter Kurswechsel der Währungshüter, deren Devise jahrelang lautete: "Ein Euro ist ein Euro." Zentrales Ziel war die Bekämpfung der Inflation, Wechselkurspolitik stand nicht auf dem Programm. Doch Inflation ist für Jahre nicht in Sicht - im Gegenteil: Es droht eine Deflation, eine gefährliche Spirale aus Preisverfall und schrumpfender Wirtschaft, die mit allen Mitteln verhindert werden soll - eben auch mit der Schwächung der eigenen Währung. Für Sparer ist der Währungskurs kaum von Bedeutung, für sie zählen in erster Linie die Zinsen. Doch wem nützt der Kursverlust der Gemeinschaftswährung, wie kann das der Wirtschaft helfen - und gibt es auch Verlierer?

Die Gewinner

Unternehmen: Landauf, landab hatten die deutschen Unternehmen zuletzt bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen geklagt. Der starke Euro dämpfe das Wachstum und schmälere die Gewinne. Das Problem für viele deutsche Konzerne, die praktisch überall auf der Welt aktiv sind: Wenn auf Auslandsmärkten Umsätze steigen und Gewinne sprudeln, aber die Währungen in den jeweiligen Ländern schwächer werden, dann bleibt bei der Umrechnung in Euro davon weniger oder gar nichts übrig.

Export: Für die Exportwirtschaft kann die Schwächung des Euro wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken. Je weniger ein Euro in fremder Währung kostet, umso billiger können ausländische Kunden in der Eurozone einkaufen. Das kurbelt die Nachfrage nach europäischen Produkten an.

Frankreich: Die Nummer zwei der Eurozone steckt in der schweren Wirtschaftskrise - und appelliert seit Jahren an die EZB: Schwächt den Euro. Um das Problem der Franzosen zu verstehen, ist ein Rückblick in die Währungsgeschichte nötig. Als es den Euro noch nicht gab, war die D-Mark die "teuerste" aller Währungen in Europa. Im Gegenzug verloren fast alle anderen zum Teil kräftig an Wert, zum Beispiel eben auch der französische Franc. Das sorgte über Jahre dafür, dass französische Unternehmen trotz steigender Kosten im Ausland relativ billig anbieten konnten - weil "ihr" Geld eben immer weniger wert wurde. Dieser Effekt ist mit der gemeinsamen Währung seit 1999 passé. Dauerhaft kann Frankreich das Problem aber nur lösen, wenn die Wirtschaft wettbewerbsfähiger wird - oder wie es manche Ökonomen ausdrücken, ihre "Reformverweigerung" aufgibt.

Die Verlierer

Autofahrer: Beim Tanken könnte der schwächere Euro zu höheren Preisen führen. Denn Rohöl und Benzin werden international in Dollar gehandelt. Je weniger der Euro zum Dollar wert ist, umso mehr kostet im Gegenzug ja der Dollar - und damit jede Ware, die in US-Währung bezahlt werden muss. Zu einem richtig ernsten Problem an den Zapfsäulen würde dies aber erst, wenn parallel das Rohöl auf den internationalen Märkten drastisch teurer wird. Das ist im Moment aber eher nicht zu erwarten: Die Rohölpreise sind aktuell eher rückläufig.

Touristen: Europäer konnten sich in den USA lange wie Krösus fühlen, als der Euro richtig viel wert war. Wie sich der aktuelle Trend in ihrer Reisekasse bemerkbar macht, zeigt ein Rechenbeispiel: Für ein Frühstück, das in New York gleichbleibend 4,79 Dollar kostet, mussten Touristen aus der Eurozone zur Euro-Spitzenzeit 2006 umgerechnet nur rund 3 Euro umtauschen, im Mai 2014 dagegen schon 3,45 und mittlerweile sogar etwa 3,75 Euro. Auch für Englandreisende gibt es dieses Problem. Währungseffekte sind allerdings für all die Urlauber kein Thema, die ihre Ferien in der Heimat oder den inzwischen 17 Partnerländern der Eurozone verbringen.