Mehr Ältere im Job
Ältere Menschen gehen heute immer häufiger noch einem Beruf nach. Ende 2003 waren bei den 60- bis unter 65-Jährigen etwa 740 000 Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt – Ende 2013 waren es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits knapp 1,7 Millionen.
Bei den 65- bis unter 70-Jährigen hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum von etwa 62 000 auf rund 119 000 fast verdoppelt. Laut BA arbeiten ältere Menschen häufig als Selbstständige, helfen Familienangehörigen oder sind Beamte. Und sie arbeiten – auch wegen der Nutzung von Altersteilzeitmodellen – oft weniger als die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit.
Nach vorläufigen Daten befanden sich Ende 2001 knapp 300 000 ältere Menschen in Altersteilzeit. Ende 2011 waren es schon fast 500 000. (dpa)

Berlin/Hannover (dpa) l Die Chemie-Gewerkschaft IG BCE will in der kommenden Tarifrunde 2015 eine kürzere Wochenarbeitszeit für Beschäftigte ab 60 Jahren fordern. "Ab 60 Jahren sollen künftig auch eine Drei- oder eine Vier-Tage-Woche möglich sein", sagte IG-BCE-Vorstand Peter Hausmann der "Rheinischen Post".

"Es geht darum, die Belastungen zu verringern, dann können die Beschäftigten auch länger in den Betrieben gehalten werden." Für den Bundesarbeitgeberverband Chemie ist eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung ab 60 keine Option.

Die Tarifkommission der IG BCE hatte am Dienstag eine solche Forderung beraten, über die im Rahmen der nächsten Tarifrunde verhandelt werden soll. Die Beschäftigten sollen von der Rentenkasse eine Teilrente und vom Betrieb einen Lohnausgleich erhalten. "Wir wollen einen Lohnausgleich, damit Arbeit für die Beschäftigten attraktiv bleibt. Hilfreich wäre es, wenn der Gesetzgeber eine Teilrente ab 60 möglich machen würde", sagte Hausmann.

Beschlüsse, wie genau ein solches Modell aussehen könnte, gab es bei der Sitzung der Tarifkommission jedoch noch nicht, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft am Mittwoch. Klar sei allerdings, dass der demografische Wandel und ein flexibler Übergang in die Rente Thema bei den Tarifverhandlungen werden. Beschlüsse könnte es beim nächsten Treffen der Tarifkommission am 10. und 11. November geben.

"Angesichts des demografischen Wandels ist unser zentrales Ziel, möglichst viele Beschäftigte möglichst lange motiviert und leistungsfähig im Betrieb zu halten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, Klaus-Peter Stiller. "Generelle Arbeitszeitverkürzungen ab 60 widersprechen diesem Ziel." Schon heute gebe es tarifliche Optionen zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit.

Das Thema Arbeitszeit soll auch in der kommenden Tarifrunde der Metall- und Elek- troindustrie eine Rolle spielen. Die IG Metall hatte angekündigt, bei der zum Jahreswechsel anstehenden Metall-Tarifrunde neben höheren Löhnen auch neue Arbeitszeitmodelle durchzusetzen. Die Gewerkschaft will für möglichst viele Beschäftigtengruppen tarifvertragliche Arbeitszeitverkürzungen mit möglichst hohem Lohnausgleich herausholen.

SPD will eine Flexi-Rente ab 60 Jahren

Auch in der SPD gibt es Überlegungen, wie ältere Arbeitnehmer künftig ihre Arbeitszeit reduzieren und als Ausgleich schon mit 60 Jahren eine Teilrente in Anspruch nehmen können. "Wir wollen, dass jeder früher aufhören, aber auch länger arbeiten kann - abhängig von der Situation am Arbeitsplatz und der individuellen Leistungsfähigkeit", hatte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Carola Reimann im August der "Berliner Zeitung" gesagt. Die Sozialdemokraten planen eine sogenannte Flexi-Rente. Dazu solle es möglich sein, ab dem 60. Lebensjahr 30, 40, 50, 60 oder 70 Prozent Rente in Anspruch zu nehmen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte bereits im Juni einen flexiblen Übergang in die Rente schon ab 60 Jahren gefordert. Sein Vorstoß, die Altersgrenze für die Teilrente von 63 Jahren auf 60 Jahre zu senken, stieß aber auf massiven Widerstand. Union und Arbeitgeber lehnten den Vorstoß strikt ab.

Die Möglichkeit, weniger zu arbeiten und mit Abschlägen früher Rente zu kassieren, gibt es grundsätzlich bereits seit 1992. Die bisherige Regelung für eine solche Teilrente gilt aber als kompliziert und unflexibel. Union und SPD sind dabei, mit dem Arbeitsministerium und den Tarifpartnern Regelungen für einen flexibleren Ausstieg aus dem Beruf zu erarbeiten.