Drosophila suzukii
Die aus Asien stammende Kirschessigfliege (lat. Drosophila suzukii) wurde 2011 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen. Mit einer Art Säge ritzen die weiblichen Tiere Löcher in gesunde, reifende Früchte und legen Eier ab. Die Larven fressen dann die Früchte innerhalb kurzer Zeit kaputt. Ein Weibchen legt im Schnitt rund 400 Eier auf einmal ab. Pro Jahr können zahlreiche Generationen gebildet werden. Sie befallen überwiegend weichschalige und rote Obstsorten. (dpa)

Mainz (dpa) l Der fliegende Störenfried ist nur wenige Millimeter groß, doch er treibt den deutschen Winzern in diesem Jahr Sorgenfalten auf die Stirn. Die Kirschessigfliege stammt ursprünglich aus Asien, macht sich aber seit einigen Jahren in Europa und nun auch in Deutschland in rasantem Tempo breit. Das kleine Insekt befällt mit Vorliebe rotes Beerenobst - und damit auch Rotweintrauben. Im schlimmsten Fall droht in einigen Weinbergen die diesjährige Lese auszufallen.

Die Winzer sind alarmiert. "Wenn diese Kirschessigfliege nicht wäre, hätten wir wirklich einen brillanten Jahrgang", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Wein-Institut in Mainz. Eigentlich war alles für einen guten Jahrgang bereitet. Das Wetter hat in diesem Jahr bis auf den nassen August mitgespielt, die Winzer rechnen mit guten Qualitäten bei ordentlichen Mengen. Doch zumindest punktuell sorgen die kleinen Fliegen nun für Ärger. "Manche Rotweinsorten mussten früher gelesen werden als es die Witterung eigentlich noch zulassen würde", sagt Büscher. Denn gerade hebe der Sommer noch einmal zu einem Zwischenhoch auf - was gut für die Traubenreifung und die spätere Weinqualität ist.

Der Schädling hat inzwischen alle deutschen Anbaugebiete erreicht. Befällt er einen Weinberg, müsse es schnell gehen mit der Lese, um größere Schäden zu vermeiden.

"Es hat keiner damit gerechnet, dass sie sich in diesem Jahr so massiv verbreitet", sagt Professorin Annette Reineke von der Hochschule Geisenheim. Nach den Beobachtungen bisher bevorzuge die Fliege rote Rebsorten. Ob sie auch auf spätreifende weiße Sorten wie Müller-Thurgau oder Riesling geht, bleibe abzuwarten. "Wir sind im Moment relativ entspannt beim Weißwein", sagt auch Friedrich Louis vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße.

Timo Dienhart, Inhaber des Weingutes zur Römerkelter in Maring-Noviand an der Mosel, hat in diesem Jahr zum ersten Mal mit der Kirschessigfliege zu kämpfen. "Ein großes Übel ist vor allem da, wo Dornhecken sind", berichtet er. Der Befall könne bis zu einem Totalverlust eines Weinbergs in diesem Jahr führen. "Das ist bitter", meint der Winzer und fügt hinzu: "Wir sind im Moment etwas übertölpelt." Etwa 13 Hektar Anbaufläche hat sein Weingut, etwa 20 Prozent seien mit roten Rebsorten bepflanzt. Auch in Baden-Württemberg klagen Weinbauern über den neuen Schädling.

Ein echtes Gegenmittel fehlt bislang, auch Pestizide helfen nur bedingt. Verschiedene Forschungsanstalten arbeiten daran.