Der Online-Handel boomt, das bekommen auch die Elektronikmärkte zu spüren. Media Markt will mit ungewöhnlichen Konzepten gegensteuern. Am Donnerstag präsentierte der Branchenprimus seinen neuen Media Markt in Ingolstadt. Kunden können dort Waren in einem Drive-in mit dem Auto abholen.

1. Wie entwickelt sich die Nachfrage in Deutschland?
Die Ausgaben der Verbraucher für Technik steigen. 741 Euro gaben die Bundesbürger pro Kopf im vergangenen Jahr laut Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) für Unterhaltungselektronik, Waschmaschinen, Kühlschränke und andere technische Produkte aus. Im Jahr zuvor waren es 706 Euro. Geschätzt ein Fünftel des Geschäfts entfällt mittlerweile aber auf den Online-Handel. "Die Branche hat im stationären Bereich lange in immer größere Flächenformate investiert, auch noch als online schon stark war", bemängelt Handelsexperte Gerd Hessert von der Universität Leipzig.

2. Wie ist die Branche aufgestellt?
Vor allem die großen Vier prägen das Bild: Die drei Verbundgruppen Expert, Euronics, Electronic Partner (EP) sowie an der Spitze Media Saturn. Lange Zeit florierte das Geschäft, doch die besten Jahre scheinen erstmal vorbei. So verzeichnete beispielsweise Euronics im Geschäftsjahr 2012/13 einen kräftigen Umsatz-Rückgang von gut zwölf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Ein Grund war der starke Preiskampf bei der Heim-elektronik. Branchenprimus Media Saturn setzte 2013 vor allem in Deutschland zwar mehr um, unterm Strich schreibt die Kette aber rote Zahlen.

3. Wie reagiert Media Markt auf die Konkurrenz durch den Online-Handel?
Kritiker bemängeln, die Elektronikkette habe zu lange mit dem Aufbau einer eigenen Internet-Präsenz gezögert. Ein Grund ist aus Sicht von Handelsexperten die dezentrale Struktur des Unternehmens mit eigenständigen Kaufleuten in den Filialen und unterschiedlichen Preisen. "Ein aggressiver Internetauftritt der Zentrale hätte ihnen Geschäft weggenommen", sagt Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Inzwischen hat Media Saturn umgesteuert. Der Online-Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um 75,0 Prozent auf 0,8 Milliarden Euro.

4. Wie geht es weiter?

Media Saturn will die Online- und Offlinewelt stärker verbinden. Leitbild soll der neue Media Markt in Ingolstadt sein. Kunden können dort ihre online oder per Telefon bestellten Waren in einem Drive-in mit dem Auto abholen. Im Markt können sie an einer interaktiven Videowand durch das Produktsortiment surfen.

5. Was macht der Branche noch zu schaffen?
Immer schnellere Produktzyklen setzen die Preise unter Druck. Der "alte" Fernseher muss früher mit Preisabschlag raus, um neuen Modellen Platz zu machen. Handelsexperte Roeb formuliert es so: "Die Preise für Innovationen verfallen schneller als neue Innovationen Ersatz schaffen können". Allein im vergangenen Jahr wurden Geräte der Unterhaltungselektronik nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 5,9 Prozent billiger, bei der Informationsverarbeitung waren es sogar 7,8 Prozent.

6. Gibt es auch positive Entwicklungen?
Durch die zunehmende Vernetzung der Produkte - Stichwort Smart Home - steigt der Bedarf der Kunden an Beratung. Für den Elektrofachhandel ist dies aus Sicht von Branchenbeobachtern eine Chance. Vor allem die Verbundgruppen, wie Euronics, Expert oder EP sind Hessert zufolge bei der Beratung stark. "Es wird sich zeigen, wie die Branche insgesamt den Spagat zwischen Beratung und knallhartem Preiswettbewerb hinbekommt". (dpa)