Peking (dpa) l Die Wall Street ist im Alibaba-Fieber, vor der New Yorker Börse herrscht Riesenandrang. An der New Yorker Börse in Manhattans Finanzzentrum prangt ein Riesenbanner des chinesischen Onlinekonzerns, davor drängen sich ein Pulk aus Journalisten um Jack Ma und seine Entourage. Der Alibaba-Gründer trägt zur Börsenpremiere ein Dauerlächeln, hebt den Daumen für die Kameras.

Selten haben sich Investoren dermaßen um die Anteile eines Unternehmens gerissen. Zweieinhalb Stunden dauert es, bis die vielen Order soweit sortiert sind, dass der erste Kurs steht. Es sind 92,70 Dollar - ein Sprung von gut 36 Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis von 68 Dollar. Das heißt: Alibaba hätte das Volumen des Rekordbörsengangs noch deutlich über die bereits beeindruckenden 25 Milliarden Dollar schrauben können.

Aus dem Stand begibt sich Alibaba auf Augenhöhe mit den ganz großen Akteuren im globalen Onlinegeschäft. Den US-Konkurrenten Amazon hat der Konzern vom Marktwert her auf Anhieb überholt - Aktionäre bewerten Alibaba zum Handelsbeginn mit rund 230 Milliarden Dollar.

Jack Ma ist der reichste Mann Chinas

Der Aufstieg von Jack Ma ist atemberaubend. Heute gilt der 49-Jährige als reichster Mann Chinas mit einem geschätzten Vermögen von über 20 Milliarden Dollar. Kursgewinne nach dem Börsengang der von ihm gegründeten Handelsplattform Alibaba werden diesen Reichtum noch vergrößern. Der Lebensweg von Jack Ma begann aber holprig.

Zweimal fiel er bei der Aufnahmeprüfung durch, bevor er 1988 an der Pädagogischen Hochschule angenommen wurde, wie chinesische Medien berichten. Es fiel ihm schwer, einen Job zu finden. Obwohl ihm sowohl technische als auch geschäftliche Vorkenntnisse fehlten, gründete der Englischlehrer 1999 sein Unternehmen in einer Wohnung in der ostchinesischen Stadt Hangzhou, die bis heute Firmensitz ist.

"Alle unsere Wettbewerber sind im Silicon Valley, nicht in China", sagte Ma in einer Filmdokumentation und ermunterte seine Mitarbeiter, sich nicht unterkriegen zu lassen: "Wir haben genauso viel im Kopf wie die." Dass er den großen Konkurrenten Ebay in China abgewehrt hat, brachte Ma viel Ruhm. "Ebay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren - aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen", sagte er 2005.

Jack Ma ist der "geistige Vater" von Alibaba. Er gilt als Visionär, der jede Gelegenheit ergreift. Seine Verkaufskünste sind legendär. Bei den jährlichen "Alifest" genannten Mitarbeiterversammlungen, zu denen schon der frühere US-Präsident Bill Clinton oder US-Basketballstar Kobe Bryant eingeladen wurden, wird Ma wie ein Rockstar gefeiert.

Gepriesen werden auch seine Überredungskünste. Er könne etwas verkaufen, das noch gar nicht existiere, heißt es. Seine Geschäftsentscheidungen fällt Ma intuitiv. Zuletzt stieg er bei Chinas Fußballmeister Evergrande in Guangzhou ein.