Berlin (epd) l Die Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer ist 25 Jahre nach dem Fall der Mauer weiterhin etwa ein Drittel geringer als in Westdeutschland. Das berichtet die "Sächsische Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf des aktuellen Jahresberichts der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit.

Der ökonomische Aufholprozess hat sich demnach in den letzten Jahren "deutlich abgeschwächt". Der Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit soll am Mittwoch in Berlin präsentiert werden. Weiter heißt es darin, zwar habe Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung eine beachtliche Steigerung der wirtschaftlichen Leistung erreicht. So habe sich das Bruttoinlandsprodukt von 1992 bis heute in etwa verdoppelt.

Länder haben bei Löhnen Nachholbedarf

Ab etwa 1997 habe sich der jährliche Zuwachs allerdings "deutlich abgeschwächt". Das je Einwohner erzeugte Bruttoinlandsprodukt, Indikator der Leistungsfähigkeit, lag demnach 2013 im Osten bei 66,6 Prozent des Westniveaus.

Auch der Abstand in der Arbeitsproduktivität habe sich zuletzt nicht mehr "wesentlich verkürzt." Insbesondere bei der Angleichung der Wirtschaftskraft und der Löhne haben die neuen Länder nach Einschätzung der Bundesregierung "noch einen merklichen Nachholbedarf", heißt es weiter.

Erstmals ist dem Bericht eine Einschätzung der Tage der friedlichen Revolution bis hin zu Mauerfall und staatlicher Einheit vorangestellt. Darin wird auch der Alltag in der DDR mit den Worten beschrieben: "Der ganz großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ging es darum, ein anständiges Leben zu führen." Viele zogen sich ins Private zurück, um der umfassenden politischen und sozialen Kontrolle möglichst zu entgehen.

Gleichwertige Lebensverhältnisse erreicht

"Es gab auch viele glückliche und verbindende Erlebnisse der Menschen untereinander - trotz des repressiven Staates", zitiert das Blatt aus dem Berichtsentwurf zum Stand der deutschen Einheit.

Dennoch hält die Bundesregierung den Aufbau Ost 25 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR für "gelungen". Die Menschen in Ost und West könnten auf das gemeinsam Erreichte stolz sein. In den meisten Lebensbereichen seien heute "gleichwertige Lebensverhältnisse" erreicht. Der Verfall der Innenstädte sei aufgehalten, die verheerende Umweltverschmutzung gestoppt worden. Viele Altlasten seien beseitigt, die Wohnsituation der Haushalte habe sich deutlich verbessert. Das Verkehrsnetz wurde neu- und ausgebaut, der Zugang zu Bildungsgängen sei so offen wie nie zuvor.