Heilbronn/Neckarsulm (dpa) l In diesem Jahr hat er sich wenigstens einmal aus der Deckung gewagt: Der sonst so scheue Lidl-Gründer Dieter Schwarz unterstützte den SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Heilbronn. "Ich wähle Harry Mergel, weil er nach langjähriger Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Himmelsbach beste Erfahrungen für diese Arbeit mitbringt", hatte Schwarz sein Engagement begründet - und verschwand wieder in der Versenkung.

Das ist nicht nur ungewöhnlich, weil Schwarz sein Wahlgeheimnis offen preisgab. Der Unternehmer, der am morgigen Mittwoch seinen 75. Geburtstag feiert, meidet die Öffentlichkeit so sehr, dass von ihm kaum Fotos existieren. "Herr Schwarz feiert 2014 seinen 75. Geburtstag", ist die karge Antwort der Pressestelle der Schwarz-Gruppe auf die Bitte um einen Lebenslauf.

In seiner Heimatstadt Heilbronn respektiert man ihn und bewahrt sein Schweigen. Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin bittet um Verständnis, dass sie nicht über Schwarz sprechen will. Selbst ein Journalist der Lokalzeitung, der ihn besser kennt als andere, will nichts erzählen, was er nicht schon geschrieben hat.

Schwarz wurde in Heilbronn als Sohn des Kaufmanns Josef Schwarz geboren. Nach seinem Abitur macht er eine Ausbildung im väterlichen Betrieb. 1962 erhielt er Prokura und wurde ein Jahr später persönlich haftender Gesellschafter der Lidl Schwarz KG, einem Handels- und Fruchthof.

Weil der Name "Schwarz-Markt" keine Option war, taufte er das Geschäft auf den Namen des früheren Partners "Lidl". 1968 schaffte Schwarz mit der Kette "Handelshof" den Einstieg in den Einzelhandel. Die berühmten Discounter folgten in den 70er Jahren. Nach dem Tod des Vaters übernahm Dieter Schwarz 1977 die Unternehmensführung - und machte Lidl zu einem der großen Discounter.

Schwarz begann damit, die Waren teils aus dem Karton deutlich günstiger zu verkaufen. Schon 1999 zog er sich aus der operativen Konzernleitung zurück und übertrug die Verantwortung einem Management. In den strategischen Führungsorganisationen mischte er aber auch danach noch mit.

Heute ist die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch die Warenhaus-Kette Kaufland gehört, ein Handelsgigant, der selbst den Metro-Konzern beim Umsatz übertrifft. Im vergangenen Geschäftsjahr kam die Schwarz-Gruppe auf 74 Milliarden Euro Umsatz. In ganz Europa beschäftigt die Gruppe 335 000 Mitarbeiter.

An dem Boom änderten selbst negative Schlagzeilen über die Bespitzelung von Mitarbeitern und Leistungsdruck nichts. Zumindest attestieren Gewerkschafter eine Bereitschaft zur Änderung: "In den vergangenen Jahren gibt sich das Unternehmen mehr und mehr Mühe", sagte Verdi-Landesfachbereichsleiter Bernhard Franke zuletzt.

Obwohl das US-Magazin Forbes Dieter Schwarz mit einem Vermögen von rund 15 Milliarden Euro (19,9 Mrd. US-Dollar) auf Platz 36 der weltweiten Liste der Milliardäre führt, ist er unauffällig geblieben. "Ganz bescheiden das Büro. Ohne Allüren das Auftreten", heißt es in der "Heilbronner Stimme" zu Schwarz` 65. Geburtstag.

Soviel weiß man: Schwarz ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er gilt als Mäzen. In Heilbronn ließ er eine alte Ölmühle zu einer Ausstellung für Naturwissenschaft und Technik namens "Experimenta" umbauen. Die von ihm ins Leben gerufene Dieter Schwarz Stiftung fördert Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung. Teil des Auftrags sind Stiftungsprofessuren und die Finanzierung einer privaten Hochschule für Unternehmensführung. "Das Sozialste, was ich tun kann, ist, durch entsprechende Bildungsmaßnahmen die Leistungsfähigkeit der Bürger zu stärken und die Elitebildung zu fördern", zitiert die "Heilbronner Stimme" Schwarz.