Magdeburg l Ein paar Minuten dauert es, dann hat der Ofen Betriebstemperatur. Michael Ganz hängt eine Klinge aus Stahl in die 800 Grad heiße Röhre. "Der Stahl wird erhitzt und kommt dann in ein Ölbad - hinterher hat das Metall die nötige Härte", erklärt der Magdeburger Messermacher. Momentan hat er viel zu tun, in zwei Wochen will er seine Klingen bei einer Fachmesse in Dresden präsentieren.

Vor drei Jahren hat der 48-Jährige begonnen, sich seiner Leidenschaft für die Messerfertigung zu widmen. "Das Unternehmen, in dem ich bis dahin als Physiker tätig war, hat Insolvenz angemeldet und ich hatte eine Midlife-Crisis", erzählt Ganz. Ein paar Monate hing er in der Luft, dann fiel ihm ein, dass er bereits zu DDR-Zeiten schon einmal ein Messer gefertigt hat. Vor seinem Studium hatte er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolviert. "Und weil es zu DDR-Zeiten keine guten Messer zu kaufen gab, fertigte ich mir kurzerhand selbst eins."

Mal eben in die Branche für hochwertige Messer einzusteigen, ist jedoch schwierig. "Es gibt in dem Markt eine Reihe von etablierten Unternehmen in Süddeutschland", erklärt Ganz. Ohnehin sei die Kultur, hochwertige Küchen- oder Jagdmesser im Besitz zu haben, im Süden der Republik stärker ausgeprägt. "Für Lederhosen und Hirschfänger ist der Markt dort größer als hier im Norden."

Neben der Messerfertigung baute er sich deshalb noch ein zweites berufliches Standbein auf. "Über die Jahre habe ich viel Erfahrung im IT-Bereich gesammelt, deshalb nehme ich auch Aufträge an, in denen es darum geht, eine Internetseite oder eine Software zu programmieren." Sein Traum bleibe es aber, von dem Messer-Handwerk leben zu können.

Die handgefertigten Stücke von Ganz haben allerdings ihren Preis. 200 Euro muss der Käufer mindestens berappen, besonders aufwendige Klingen kosten um die 1000 Euro. "Meine Klingen sind natürlich nichts für den Fleischer um die Ecke - der kauft billigere Messer im Sack und schmeißt sie weg, wenn sie stumpf werden", so Ganz. Es gebe aber ambitionierte Hobby-Köche, die sich gerne etwas Schönes in die Küche legen.

Aufträge aus Österreich und der Schweiz

Die ordentlichen Preise kommen auch dadurch zustande, weil Ganz viel Arbeitszeit investiert. "12 bis 15 Stunden arbeite ich an einer Klinge mindestens, dafür möchte ich natürlich auch was haben", sagt er.

Hinzu kommt, dass der Handwerker Wert auf Qualität legt: "Es gibt über 1000 Stahlsorten, aber nur 20 eignen sich für Messer." Während Massenproduzenten auf rostfreien Stahl setzen, nimmt Ganz lieber jene Sorten, die anfällig für Rost sind. "Die Messer schneiden dann einfach besser", erklärt er. Damit seine Kunden trotzdem früher oder später keine rostigen und obendrein teuren Messer in der Küche liegen haben, lässt Ganz seine Klingen mit einer hauchdünnen Diamantschicht überziehen. "Den Arbeitsschritt lasse ich aber von einer anderen Firma erledigen", betont er. Für seine Jagd- und Outdoormesser fertigt Ganz mittlerweile auch passende Lederscheiden. "Bei einer Messe im vergangenen Jahr habe ich gelernt, dass viele Kunden auch eine passende Lederscheide zu ihrem Messer kaufen möchten, deshalb stelle ich die nun auch selber her."

15 kostbare Messer hat Ganz im vergangenen Jahr verkauft, er hofft, dass es in diesem Jahr mehr werden. "Ich bin auf die Fachmesse in Dresden gespannt und hoffe auf das Weihnachtsgeschäft." Geld in Marketing-Aktionen hat er bislang kaum gesteckt.

"Ich versuche weiterhin, mir einen guten Ruf durch qualitätiv hochwertige Arbeit aufzubauen", sagt er. Durch seine Internetseite habe er aber immerhin schon einen Auftrag aus Österreich und einen aus der Schweiz erworben. "Es geht aufwärts, aber es wird noch eine Zeit dauern, bis ich davon leben kann."

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