Die Waldinventur ist eine Stichprobe aus bundesweit 60.000 Messpunkten, von wo aus 420.000 Bäume unter die Lupe genommen wurden. 2011 und 2012 zogen 60 Inventurtrupps durch die Wälder, um 150 Merkmale zu prüfen: Wie viele Bäume stehen im Umkreis? Wie dick ist der Stamm, wie intakt die Krone? Liegen abgestorbene Äste und Stämme herum, in denen Pilze oder Insekten leben können?
Deutschland hat einen Vorrat von 3,7 Milliarden Kubikmetern Holz und liegt damit an der europäischen Spitze. "Man könnte damit einen massiven Holzturm bauen mit einer Grundfläche von dreimal drei Metern, der von der Erde bis zum Mond reicht", erklärt Inventurleiter Heino Polley.

Berlin (dpa) l Der deutsche Wald wird älter und vielfältiger. Im Schnitt stehen die Bäume seit 77 Jahren und damit viereinhalb Jahre länger als nach einer Erhebung zehn Jahre zuvor, wie eine am Mittwoch vorgelegte aktuelle Bestandsaufnahme ergab. Knapp ein Viertel des Waldes ist älter als 100 Jahre. Zudem gibt es mehr Laubbäume und mehr Mischwälder, deren Anteil um drei Punkte auf 76 Prozent stieg. Reine Fichtenwälder wurden dafür weniger. Die Daten stammen aus einer großen Waldinventur, die Bund und Länder alle zehn Jahre vornehmen. Sie wurden 2011/2012 erhoben und mit Ergebnissen von 2002 verglichen. Wald bedeckt fast ein Drittel der Fläche Deutschlands.

So viel Holz wie seit Jahrhunderten nicht mehr

"Es geht dem deutschen Wald gut", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Schädigungen durch Luftverschmutzung wie in den 1980er Jahren seien überwunden. Das Bewirtschaftungsprinzip sei "Schützen durch nützen". Ziel eines weiteren Waldumbaus sei, dass es mehr verschiedene sowie junge und alte Bäume nebeneinander gebe. Dadurch gelten Wälder als besser geschützt gegen Stürme, Schädlinge und Klimaveränderungen. In den Wäldern befindet sich nun auch mehr Totholz abgestorbener Bäume. Dort können etwa Pilze, Flechten, Insekten und Vögel leben.

In den Wäldern steht so viel Holz wie seit Jahrhunderten nicht mehr, wie das Ministerium erläuterte. Der Holzvorrat wuchs von 2002 bis 2012 um sieben Prozent auf 3,7 Milliarden Kubikmeter. Wichtigste Baum- arten sind Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen. Generell gibt es immer mehr dicke Bäume. Die Waldfläche ist mit 11,4 Millionen Hektar seit 2002 konstant geblieben. Knapp die Hälfte der Flächen sind Privatwald. Insgesamt wachsen in Deutschland 90 Milliarden Bäume.

Umweltverbände sprachen von einer Waldentwicklung in die richtige Richtung. Dringend nötig sei aber ein Netz ungenutzter Flächen, in denen sich die Natur selbst überlassen sei, forderte die Organisation WWF. Aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände erweist sich Kritik an "ökologisch kranken" Wäldern als falsch.

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