Magdeburg (dpa/sa) l Tausende von Arbeitsplätzen drohen in Sachsen-Anhalt wegzubrechen, wenn Unternehmer keinen Nachfolger finden. Der neu gegründete Verein "Thronfolge" in Magdeburg will auch das Image des Unternehmers aufpolieren, wie Vereinschef Holger Dülken in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erläutert.

Die Zahlen sprechen für sich. 2700 Unternehmen in Sachsen-Anhalt suchen in den kommenden vier Jahren einen Nachfolger auf dem Chefsessel. Werden sie nicht gefunden, droht der Verlust von mehr als 30 000 Arbeitsplätzen. Warum ist das Problem derzeit so akut?
Holger Dülken: Nach der Wende haben viele Frauen und Männer, die damals um die 30 bis 40 Jahre alt waren, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Nach 25 Jahren gehen sie nun allmählich in Pension und haben oftmals nicht über einen Nachfolger nachgedacht oder diesen Aspekt einfach verdrängt. Dort wollen wir ansetzen.

Warum gibt es so große Probleme, einen Nachfolger zu finden. Liegt es am Geld?
Die Finanzierung ist in der Regel keine Schwierigkeit. Die Banken wissen um das Problem der Unternehmensnachfolge und legen bei einem schlüssigen Firmenkonzept keine Steine in den Weg. Es ist eher eine Frage des Mutes: Viele junge Leute haben Angst vor einer möglichen Pleite. Auch das schlechte Image des Unternehmers, besonders in Ostdeutschland, spielt eine Rolle.

Wie muss man das verstehen?
Im Gegensatz zum Beruf des Arztes oder des Rechtsanwaltes ist der Unternehmer im Osten nicht gut angesehen. Er wird noch zu oft als Kapitalist betrachtet, dem es nur um das Anhäufen von Geld und Riesenprofite geht. Dass die Unternehmer in Sachsen-Anhalt eher kleinen und mittleren Firmen vorstehen, Tausenden Menschen Lohn und Brot geben und diejenigen sind, die den Karren ziehen, wird am wenigsten gesehen.

Wie wollen Sie konkret vorgehen, um Nachfolger zu finden?
Wir verstehen uns als Mittler. Zu uns können Menschen kommen, die eine Firma in gute Hände abgeben wollen, aber auch junge Leute, die eine übernehmen wollen. In unserem Verein arbeiten ehrenamtlich zum Beispiel Steuerberater, Personal- und Managementberater und Anwälte. Die haben schon beruflich Erfahrungen darin, wer sich als Führungskraft eignen könnte.

Wie lange dauert es, bis ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet ist?
Mindestens fünf Jahre, mitunter länger. Der neue Chef muss mit der Produktion, der Belegschaft und auch mit dem alten Chef gut können, denn zuerst gehen ja beide Hand in Hand. Das geht nicht von heute auf morgen. Wer heute so Mitte 50 ist, sollte sich um die Nachfolge kümmern. Auch, wenn es schwer ist loszulassen, weil man sich Jahrzehnte etwas aufgebaut hat.

Sehen Sie sich als Konkurrenz zu den Wirtschaftskammern, die sich ja auch mit der Unternehmensnachfolge befassen?
Nein, wie sehen uns als Partner, der zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern das Problem lösen will.