Cupertino (dpa) l Schneller, dünner, leichter. Und dazu ein besserer Bildschirm. Die Hauptbotschaften der iPad-Präsentationen von Apple im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts klingen jedes Jahr sehr ähnlich. Für die aktuelle Saison hatte Apple noch den Fingerabdruck-Sensor TouchID im Gepäck. Der erfreut sich bei den aktuellen iPhone-Modellen bereits großer Beliebtheit. Zusammen mit dem aktuellen Betriebssystem iOS 8.1 kann TouchID nun auch von externen Anbietern wie Evernote oder 1Password in ihren Apps als Ersatz für unsichere Passwörter verwendet werden.

Bei der Präsentation im kleinen Saal in Apples Hauptquartier in Cupertino waren eigentlich vor allem neue iPads erwartet worden. Aber zum Star des Abends wurde dann doch ein Schreibtisch-PC. Apple verpasste seinem neuen iMac eine überragende Bildqualität. Mit einer Auflösung von 14,7 Millionen Pixeln hat er siebenmal mehr Bildpunkte als ein HD-Fernseher.

Interessant ist auch die Tatsache, dass Apple soviel Zeit und Energie in ein Gerät mit einem "5K Display" investiert, das zumindest anfangs nur einen Nischenmarkt bedienen dürfte. Die Desktop-Computer sind im Markt beim Absatz längst von Notebooks überholt worden, der Preis ist mit 2599 Euro nicht gerade niedrig und zunächst fehlen Inhalte in dieser Auflösung. Damit dürfte der neue iMac zunächst für ambitionierte Fotografen und Videofilmer interessant sein und nicht unbedingt ein Massenpublikum ansprechen.

Dabei nahm Apple sogar den Aufwand auf sich, einen Con- troller zur Steuerung der vielen Millionen Pixel selbst zu entwickeln. Bei US-Journalisten brachte das sofort die Spekulationen über einen Apple-Fernseher in Erinnerung. Konzernchef Tim Cook wich der Frage direkt nach der Präsentation in Cupertino jedoch lächelnd aus.

Das große Fragezeichen, das über dem Event hing, waren die Zweifel an den Zukunftsaussichten des Tablet-Geschäfts. Das zunächst explosive Wachstum des Marktes flaute zuletzt merklich ab. Marktforscher senken ihre Absatzprognosen immer weiter, auch weil Besitzer eines Tablet-Computers ihre Geräte nicht so häufig austauschen wie ihre Smartphones. Beim iPad stockten die Verkäufe zuletzt ebenfalls. Apple reagiert darauf mit einer hochgerüsteten neuen Version.

"Es ist das dünnste Tablet auf dem Markt", verkündete Marketingchef Phil Schiller stolz. Das iPad Air 2 sei so dünn, dass selbst zwei aufeinandergestapelte Geräte noch nicht so dick seien, wie das viereinhalb Jahre alte iPad der ersten Generation. Das Problem mit dem Tablet-Markt sind allerdings nicht die Maße oder das Gewicht der bereits sehr kompakten Geräte. So ergaben Umfragen des Marktforschers Gartner, dass potenzielle Neukunden vom Kauf davon abgehalten werden, dass sie in ihrem Alltag kein Nutzungs-Szenario für ein Tablet sehen, sagt Analystin Annette Zimmermann.

Eine wichtige neue Funktion der iPads teilte Apple quasi nur in einer Fußnote auf der Website mit, obwohl sie das Potenzial hat, das Geschäft der Telekom-Branche auf den Kopf zu stellen. Es geht um die "Apple SIM", eine umprogrammierbare SIM-Karte, mit der Anwender zwischen verschiedenen Netzbetreibern wechseln können. Das funktioniert zunächst nur bei insgesamt vier teilnehmenden Mobilfunk-Anbietern in den USA und Großbritannien. Weitere Netzbetreiber und Regionen dürften aber folgen.

Mit der "Apple SIM" können Besitzer eines iPads zeitlich eng befristete Mobilfunk-Verträge abschließen. Außerdem kann man mit der neuen SIM Roaming-Gebühren vermeiden, wenn man in einem anderen Land unterwegs ist - die SIM-Karte kann einfach auf einen lokalen Anbieter umgestellt werden.