Frankfurt/Berlin (dpa) | Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen weiter mit neuen Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL in dieser Woche rechnen. Die im Tarifkonflikt von der GDL ausgerufene Streikpause sollte Sonntagnacht auslaufen. Allerdings war unklar, ob die GDL zunächst weiter auf Arbeitskampfmaßnahmen verzichtet oder neue Streiks vorbereitet.

Vertreter der Gewerkschaft waren bis zum späten Sonntagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Da die GDL immer betont hat, man werde Fahrgäste und Öffentlichkeit im Falle neuer Streiks rechtzeitig informieren, schien ein Ausstand gleich zum Start in die Woche aber eher unwahrscheinlich.

Ziel: Mehr Lohn für Lokführer

Bei der Deutschen Bahn hieß es am Sonntag, Ziel bleibe es, die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zuhalten. "Wir tun weiterhin alles was vernünftig ist, um den Konflikt zu lösen." Zuletzt hatten die Lokführer vom 17. bis 20. Oktober insgesamt 50 Stunden lang gestreikt – ausgerechnet am Wochenende und zum Start der Herbstferien in vielen Bundesländern.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bot der Konkurrenz von der GDL erneut gemeinsame Verhandlungen an. "Kommt in die Verhandlungskommission und lasst uns gemeinsam mit der Bahn verhandeln. Davon profitieren alle unsere Mitglieder", warb der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner im "Focus".

Die GDL will neben einem Lohnplus und kürzeren Arbeitszeiten für die Lokführer auch erreichen, dass sie für das gesamte Bordpersonal wie Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten mitverhandeln darf. Sie will damit gegen den Willen der Bahn in Tarifkonkurrenz zur größeren EVG treten, deren Tarifverträge bislang die Zugbegleiter mit umfasst haben.

Starke Konkurrenz für Deutsche Bahn

Das Vorgehen der GDL schadet nach Ansicht von IG-Metall-Chef Detlef Wetzel den Gewerkschaften insgesamt. "Zuständigkeit zu reklamieren, obwohl einem die Mitglieder fehlen – das ist der Tod der Gewerkschaftsbewegung", sagte Wetzel dem "Spiegel". Er halte es für legitim, dass die GDL für Lokführer zuständig sei, weil sie dort die Mehrheit habe. "Aber wie die GDL in anderen Bereichen nicht die Mehrheit zu haben und sich trotzdem für zuständig zu erklären, das ist undemokratisch", so der IG-Metall-Vorsitzende.

Die Deutsche Bahn verliert bei den Lokführerstreiks Millionen und muss auch langfristig um Kunden bangen. So hatten Fernbusunternehmen von steigender Nachfrage berichtet. Im Güterverkehr hatten während der jüngsten Streiks Autohersteller Transporte auf Lkw verlagert.

"Durch die Streiks gab es mehr zu tun", bestätigte der Hauptgeschäftsführer des Güterkraftverkehrsverbandes BGL, Karlheinz Schmidt. "Wenn die Bahn sich auf längere Sicht als unzuverlässig erweist, wird die Industrie sicher Konsequenzen ziehen. Dann wäre es möglich, dass Transporte dauerhaft von der Schiene auf die Straße verlegt werden." Eine Bahn-Sprecherin sagte der dpa dazu, es sei zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um über Auswirkungen zu spekulieren.

Neben der Autoindustrie setzt auch die Chemie- und die Stahlindustrie in großem Umfang auf Güterzüge. Auch Kohle wird häufig auf der Schiene transportiert.