Berlin (AFP) l Deutschlands Bahnfahrer müssen sich erneut auf Lokführerstreiks einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erklärte am Montag, das jüngste Vorgehen der Deutschen Bahn im Tarifstreit "provoziert weitere Arbeitskämpfe". Diese würden "rechtzeitig" angekündigt - genaue Termine oder Zeiträume nannte die GDL nicht. In der Sitzung des GDL-Hauptvorstands und der Tarifkommis- sion war nach Informationen der "Bild"-Zeitung ein Streik von bis zu 91 Stunden im Gespräch.

Bahn und GDL bestätigten, dass es in den vergangenen Tagen erneut Verhandlungen gab. Laut Bahn stand eine Einigung unmittelbar bevor. Noch am Sonntagmorgen habe es "keinerlei Zweifel" an einer greifbar nahen Lösung gegeben. Doch dann habe die GDL die Gespräche "kurz vor Unterzeichnung einer Lösung für den Tarifkonflikt völlig überraschend platzen lassen". Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte: "Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert."

GDL und EVG sollten parallel verhandeln
Die GDL-Spitze und Konzernvertreter hatten laut Bahn in mehr als zehnstündigen Gesprächen gemeinsam ein neues Verfahren entwickelt. Damit sollte die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten. Gleichzeitig sollte die Regelung unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden. Bislang werden die Zugbegleiter von der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten. Auf Wunsch der GDL sei der Vorschlag aufgenommen worden, dass GDL und EVG künftig parallel mit der Bahn verhandeln, und zwar zur selben Zeit am selben Ort, erklärte der Konzern.

Die GDL teilte hingegen am Montag mit, die Bahn habe versucht, der Gewerkschaft "die Nichtzuständigkeit für einen Teil ihrer Mitglieder" und einen Verzicht auf das Streikrecht zu diktieren. Die GDL-Gremien seien nicht bereit, "die Interessen ihrer Mitglieder zu verraten, um eine Scheinzuständigkeit für Zugbegleiter zu akzeptieren". Hauptvorstand und Tarifkommission der GDL hätten den Tarifvertragsentwurf daher einstimmig abgelehnt.

Wegen des Dauerstreits mit der Bahn hatte die Lokführergewerkschaft im Oktober mehrfach den Personen- und Güterverkehr lahmgelegt.