Stuttgart/Berlin (dpa) l Lebkuchen und Schoko-Nikoläuse liegen schon seit September in den Regalen. Die wichtigste Zeit des Jahres für den Einzelhandel beginnt aber erst diese Woche. Anfang November startet traditionell das Weihnachtsgeschäft. "Etwa die Hälfte der Geschenke wird schon im November gekauft", sagt Thomas Harms, Handelsexperte bei der Wirtschaftsberatung Ernst Young. Wie jedes Jahr setzt der Handel große Hoffnungen in die letzten Wochen des Jahres. 2013 machten die Geschäfte vor Weihnachten gut 18 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Erste Prognosen sagen in diesem Jahr allerdings eine gewisse Kauf-Unlust voraus. Die Wirtschaftsberatung Deloitte fand in ihrer jährlichen Christmas Survey heraus, dass die Deutschen in diesem Jahr im Schnitt 266 Euro für Geschenke ausgeben wollen - zwei Prozent weniger als im Vorjahr. In einer Umfrage von Ernst Young liegt der Schnitt bei 219 Euro - gut 20 Prozent niedriger als 2013. Aber können Verbraucher auf den Euro genau vorhersagen, wie viel Geld sie für Geschenke ausgeben werden?

"In der Tendenz lagen die Umfragen in den vergangenen Jahren immer richtig", sagt Ernst-Young-Handelsexperte Harms. Absolut sei der Ausschlag nach oben oder unten dann aber meist weniger stark ausgefallen. "Die Ausgabeplanungen sind natürlich nicht bindend", räumt ein Sprecher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ein. Auch die GfK befragt die Menschen, wie viel Geld sie in Weihnachtsgeschenke stecken wollen. Die Ergebnisse liegen Ende November vor.

Tatsächlich bewahrheiteten sich die Prognosen im vergangenen Jahr zunächst nicht: Ungemütliches Wetter und teils eisige Temperaturen sorgten im Advent für lange Gesichter bei den Händlern. Im Januar vermeldete der Einzelhandelsverband für November und Dezember nur einen leichten Anstieg im Weihnachtsgeschäft von 0,3 Prozent. Sowohl GfK-Konsumklima als auch der Verband selbst hatten deutlicheres Plus vorhergesagt.

"Das ist nur eine technische Frage", erklärt Olaf Roik, Chefvolkswirtschaft des Einzelhandelsverbands HDE. "In den vergangenen Jahren wurden die Zahlen immer nach oben korrigiert." So auch für 2013. Inzwischen liege das verzeichnete Plus bei 1,9 Prozent - also sogar über dem Wert, den der Verband im vergangenen Jahr vorhergesagt hatte, so Roik.

Die Meldung des Verbands im Januar basiert auf vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die Statistikbehörde sammelt Daten von Unternehmen ein. Fehlt eine Meldung, wird geschätzt. Bis zu 24 Monate arbeitet das Statistische Bundesamt mit vorläufigen Daten. Am Ende sah das Weihnachtsgeschäft also doch gar nicht so schlecht aus.

Und dieses Jahr? Seine eigene Prognose will der Einzelhandelsverband am Dienstag veröffentlichen. Dafür werden fünfmal 500 Unternehmen befragt. "Wir sehen diverse Risiken in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung", sagt Roik. Die Rahmenbedingungen für den Konsum seien aber gut, die Einkommen gestiegen.

Also doch keine Kauf-Unlust in Sicht? "Schnee und Kälte oder besonders schönes Wetter kurz vor Weihnachten können am Ende den Ausschlag geben", sagt Ernst Young-Experte Thomas Harms. "So banal kann das manchmal sein."