EU will Forschung vorantreiben
Bis 2020 sollen Investitionen in Forschung und Entwicklung eines Landes mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes entsprechen. Diese Marke war Teil der Lissabon-Strategie der Europäischen Union. In der aktuellen "Europa 2020"-Strategie wurde dieses Ziel bekräftigt.
Das Programm ist darauf ausgerichtet, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Drei der vier Bundesländer in Deutschland, die diese Zielmarke erreichen, nämlich Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, sind, gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, die wirtschaftsstärksten Flächenländer in Deutschland. Berlin kann mit seinen vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen punkten.
Bemerkenswert ist Sachsen, das mit einem Anteil von 2,91 Prozent bereits sehr nahe an der Zielvorgabe liegt. In Sachsen-Anhalt entsprach der Anteil von Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt 2012 nur 1,43 Prozent. (ba)

Magdeburg l Im Jahr 2012 gaben Unternehmen in Sachsen-Anhalt 232 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt des Landes war das nur ein Anteil von 0,4 Prozent. Sachsen-Anhalt belegt damit den letzten Platz in der Statistik, die Wirtschaftsforscher aus Halle veröffentlichten. Unternehmen in den Nachbarländern Thüringen (527 Millionen Euro) und Sachsen (1,3 Milliarden) investierten deutlich mehr Mittel in die Entwicklung von Zukunftstechnologien.

"Das heißt aber nicht, dass unsere Unternehmen nicht wollen. Viele von ihnen schaffen es einfach nicht", sagt Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts. Es fehle sowohl am Personal als auch am Geld, so die Politikerin.

Die Firmenstruktur zwischen Altmark und Harz ist vor allem von kleinen Unternehmen geprägt. Das ist auch eine Folge des Mauerfalls vor 25 Jahren. "Bei der Privatisierung waren Investoren häufig nur an der Übernahme der Produktionsaktivitäten interessiert", erklärt Gerhard Heimpold, der die Studie mit- erstellt hat. Forschung und Entwicklung sollte dagegen in vielen Fällen außerhalb der Neuen Länder, in den Mutterunternehmen oder anderen Betrieben der Konzernverbünde stattfinden, erläutert der Wirtschaftsexperte. Von den 500 größten deutschen Unternehmen hätten nur 34 ihren Sitz im Osten.

Für die Firmen hat das weitreichende Folgen. Zuwächse in der Wertschöpfung, der Produktivität und beim Export sind geringer als in Regionen, die über Firmen mit gut ausgebauter Forschungsstruktur verfügen. Das, so Heimpold, habe auch Auswirkungen auf Lohnentwicklung und die Steuereinnahmen. "Allerdings können in ostdeutschen Betrieben auch Marktneuheiten eingeführt werden, indem es beispielsweise einen Technologietransfer aus westdeutschen oder ausländischen Mutterunternehmen zu ihren ostdeutschen Töchtern gibt", regt Heimpold an.

Für die Hochschulen und wissenschaftlichen Forschungsinstitute liest sich die Statistik der Experten aus Halle dagegen besser. Etwa 520 Millionen Euro (1,0 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt) hatten Forschungseinrichtungen im Land 2012 zur Verfügung. Hierbei liegt das Land auf Platz acht im Bundesvergleich.

Unternehmen sollen von Wissenschaft profitieren

Die Stärke dieser Einrichtungen ist auch eine Chance für die Unternehmen. Sie sollen sich künftig noch mehr mit wissenschaftlichen Partnern im Land vernetzen. Das Wirtschaftsministerium stellt am Dienstag dazu ein neues Konzept vor. "Wir arbeiten intensiv daran, Forschungsexzellenz und Unternehmergeist zusammenzubringen und mit bedarfsgerechter Förderung zu unterstützen. Nur so können wir das innovative Potenzial des Landes heben", so Zieschang.

Über 22 dieser Forschungseinrichtungen gibt es in Sachsen-Anhalt. Auch das Fraunhofer-Institut für Fa- brikbetrieb und Automatisierung im Magdeburger Wissenschaftshafen gehört dazu. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Sachsen-Anhalt ein hohes Kreativitäts- und Innovationspotenzial haben", erklärt Direktor Michael Schenk. Seine Einrichtung sieht sich als Mittler zwischen Forschungsergebnissen und der Produktentwicklung in den Firmen. "Wir haben nachgewiesen, dass wir Innovationsprozesse in Unternehmen beschleunigen können", bekräftigt Schenk.

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