Frankfurt/Main (dpa) l Fernbusse boomen - besonders wenn die Lokführer streiken. Aber nicht für alle Anbieter geht die Rechnung auf. Vor allem für die kleinen Unternehmen wird die Luft dünn. Nachdem der Frankfurter Anbieter city2city den Betrieb eingestellt hat, musste nun das Offenbacher Unternehmen DeinBus.de Insolvenz anmelden. Der Fall ist typisch für den hart umkämpften Markt mit seinen Schnäppchenangeboten - das könnte auch der Kunde bald merken. Branchenkenner rechnen mit steigenden Preisen.

Auch wenn die formalen Gründe für den Insolvenzantrag von DeinBus.de Überschuldung und drohende Zahlungsunfähigkeit sind - die wahre Ursache sei der Preiskampf zwischen den Fernbusanbietern, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Feketija.

Seit der Liberalisierung des Markts 2013 haben Fernbusse in Deutschland eine rasante Entwicklung genommen. Neun Millionen Menschen stiegen 2013 in einen Fernbus. In diesem Jahr könnten es doppelt so viele werden, schätzt der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Bei der Deutschen Bahn hat die neue Konkurrenz Umsatzeinbußen verursacht.

Das Motto bei den Fernbus-Anbietern heißt derzeit: Expansion - koste es, was es wolle. Die Zahl der Strecken wird stetig ausgebaut. Die Buslinien verkehren inzwischen nicht mehr nur zwischen Großstädten, auch kleinere und mittlere Städte werden angesteuert. Das alles zu niedrigen Preisen - das kostet Geld.

In Branchenkreisen hieß es am Wochenende, die Rekord-Buchungszahlen der Fernbus-Betreiber während des Lokführerstreiks dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche vor einer Marktbereinigung stehe. Nur wer einen langen Atem und genügend Kapital im Rücken habe, werde sich auf dem Markt behaupten.

In eine schwierige Lage gekommen ist nun ausgerechnet ein Pionier der Branche. Das von Studenten gegründete Unternehmen DeinBus.de hatte mit zur Liberalisierung beigetragen - mit einem gerichtlichen Sieg gegen die Bahn im Jahr 2011. Schon seit Ende 2009 bot DeinBus seine Dienste an. DeinBus will seine zwei Dutzend Linien vorerst weiter bedienen. "Insolvenz muss ja nicht das Ende bedeuten", hofft ein Mitarbeiter. Er sieht das Verfahren als Chance für eine Sanierung. Meinung