Magdeburg l Obwohl sich die Zahl der Lehrlinge in Sachsen-Anhalt zwischen 2002 und 2012 von 60000 auf 32000 nahezu halbiert hat, ist die Quote derjenigen, die ihre Ausbildung nicht beenden, von 27,5 auf 31,9 Prozent kontinuierlich angestiegen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau am Dienstag vorgestellt haben.

Die hohe Abbruchsquote hat nach Angaben von Arbeitsmarktexperten mehrere Ursachen. So sei der Anteil derer gewachsen, die sich nach Beginn der Ausbildung noch einmal umorientieren wollen. "Viele junge Leute haben heute eine falsche Vorstellung über den Beruf, den sie anstreben", erklärt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt. Deshalb würden sie häufiger als früher den Betrieb wechseln.

Eine weitere Ursache für die hohe Quote bestehe darin, dass Auszubildende immer häufiger Bildungsdefizite aufweisen. "Zunächst ist es positiv, wenn auch die Leistungsschwächeren nun Chancen auf eine Lehrstelle haben", so Senius. Oft scheiterten sie aber dann an den betrieblichen Anforderungen.

Um die Abbrecherquoten zu senken, stellt Senius mehrere Forderungen auf: Die Landesregierung soll die Berufsorientierung in den Schulen verbindlich machen und ausbauen. Künftig sollten Schüler aller Schulformen bereits ab der fünften Klasse entsprechende Angebote erhalten. Außerdem soll die Regierung die Schulsozialarbeit ausweiten, auch wenn EU-Fördergelder hierfür auslaufen. Damit auch Leistungsschwache in der Ausbildung Fuß fassen, könnten sie zusätzliche Einstiegsqualifizierungen im betrieblichen Umfeld erhalten. "Erste Erfahrungen zeigen, dass jeder Zweite, der eine solche Förderung erhält, später vom Betrieb übernommen wird", so Senius. Künftig müsse es auch mehr Berufsberater geben, die Schulabgänger nicht nur in einen Betrieb vermitteln, sondern sie auch nach Beginn der Ausbildung mehrere Monate lang weiter betreuen.

Die Ausbildungs-Studie zeigt allerdings auch, dass die hohe Abbruchsquote nicht nur etwas mit falschen Berufsvorstellungen und Bildungsdefiziten zu tun hat. Oft können sich die Azubis die Ausbildung schlicht nicht leisten. Eine angehende Friseurin verdient pro Monat im ersten Lehrjahr lediglich 363 Euro brutto, im dritten Jahr 547 Euro. Eine Hotelfachfrau kommt im ersten Lehrjahr auf 428 Euro, im dritten Jahr auf 643 Euro. Im Gastgewerbe müssen die jungen Leute darüber hinaus auch mit Wochenend- und Feiertagsarbeit rechnen, ebenso in Pflegeberufen. Ein besserer finanzieller Ausgleich könnte die Abbrecherquote senken, heißt es in der Arbeitsmarktstudie. Insofern ist nicht nur das Land, sondern auch die Wirtschaft gefragt, etwas zu unternehmen.