Berlin (AFP) l Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um Macht. Die Lokführergewerkschaft GDL und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandeln ab morgigen Freitag getrennt. Eine Übersicht zur Lage in Frage und Antwort:

1. Wie waren die Zuständigkeiten der Gewerkschaften bisher geregelt?
Bisher handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die kleinere Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) war nur für die rund 20.000 Lokführer des Konzerns zuständig. Nach Auslaufen des Grundlagentarifvertrages Ende Juni streiten die Gewerkschaften um die Verhandlungsmacht.

2. Wo liegt das Problem?
Verhandeln beide Gewerkschaften für identische Berufsgruppen, können am Ende zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Konditionen herauskommen. Das will die Bahn verhindern, weil beispielsweise durch verschiedene Arbeitszeitregelungen die Schichtplanung komplizierter würde. Auch die EVG sperrt sich gegen konkurrierende Tarifverträge, da sie dadurch eine Spaltung der Belegschaft fürchtet.

3. Was ergab das Spitzentreffen am Dienstag?
EVG, GDL und Bahn wollten die Weichen für die Tarifverhandlungen am morgigen Freitag stellen. Geplant waren parallele Gespräche, bei denen der Arbeitgebervertreter zwischen den Gewerkschaften hin- und herwechselt. Über das Vorgehen wurde aber kein Einvernehmen erzielt.

4. Wie laufen die Verhandlungen am Freitag stattdessen ab?
Die Deutsche Bahn trifft sich in Frankfurt am Main nun zunächst mit der EVG, mit der für den Tag ohnehin schon Tarifgespräche vereinbart waren. Anschließend führt der Konzern Verhandlungen mit der GDL. Beiden Gewerkschaften will das Unternehmen ein Angebot vorlegen.

5. Kommen am Ende dann doch zwei Tarifverträge heraus?
Das ist sicher. Die Bahn will jedoch erreichen, dass die Inhalte identisch sind. Die Verhandlungen dürften jedoch äußerst schwierig sein.

6. Welcher Abschluss würde für Bahn-Mitarbeiter gelten, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind?
Diese Frage wird interessant, wenn GDL und EVG unterschiedliche Ergebnisse erzielen und müsste nach dem Ende der Tarifrunde geklärt werden.

7. Wie weit liegen die Gewerkschaften bei ihren Lohnforderungen auseinander?
Gar nicht so weit: Die EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn und für die untersten Gehaltsgruppen mindestens 150 Euro mehr. Die GDL macht sich für fünf Prozent mehr Geld und eine kürzere Wochenarbeitszeit stark.

8. Drohen neue Streiks?
Nachdem die GDL seit Anfang September den Betrieb der Deutschen Bahn sechs Mal bestreikt hat, droht nun die EVG mit Streiks, wenn die Bahn kein "akzeptables Angebot" vorlegt.