Weltweit ist noch kein Mensch
mit dem Virus H5N8 infiziert worden. Anders als bei H5N1, mit dem sich 2003 und danach rund 600 Menschen infiziert hatten, von denen viele starben.

Erstmals aufgetreten ist das Virus
in südkoreanischen Geflügelbeständen. Die Übertragungswege nach Europa sind unklar. Sowohl Tierfutter also auch Wildvögel kommen infrage.

Im Unterschied zum Virus H5N1
macht das Virus H5N8 Wildvögel offenbar nicht krank. Zumindest gibt es bisher keine Berichte von Massensterben an Rastplätzen zwischen Sibirien und Europa. Das war bei H5N1 anders.

Zum ersten Mal in Europa
brach der H5N8-Virus Anfang November in Heinrichswalde (Vorpommern) aus. 30000 Puten wurden geschlachtet, nachdem 2000 verendet waren.

Magdeburg l In einigen Regionen Sachsen-Anhalts müssen Geflügelhalter ihre Hühner, Enten und Gänse noch in dieser Woche in Stallungen unterbringen. Das erklärte Detlef Thiel, Sprecher des Agrar-Ministeriums, am Dienstag auf Volksstimme-Anfrage. Die Kreise und kreisfreien Städte würden derzeit prüfen, in welchen Gebieten die Stallpflicht gelten soll.

Die Behörden gehen davon aus, dass Wildvögel die Tierbestände mit dem Vogelgrippe-Virus infizieren könnten. So gebe es vor allem für Geflügelbetriebe in der Nähe von Flüssen, Seen und Naturschutzgebieten eine Ansteckungsgefahr, weil Wildvögel dort häufiger vorkommen. Thiel kündigte außerdem an, dass die Behörden die Gesundheit der Wildtiere stärker überwachen wollen. Hierzu sollen in den Risikogebieten bis Mitte Januar rund 400 Wildenten geschossen werden, um sie anschließend in einem Labor in Stendal auf das Vogelgrippe-Virus zu testen.

Der Wirtschaftsverband Eier und Geflügel unterstützt die Maßnahmen der Behörden. "Die Stallpflicht halten wir für notwendig", sagt Verbandschef Werner Gutzmer. "Es ist jedoch wichtig, dass sie auf Risikogebiete begrenzt bleibt und nicht länger als nötig gilt." Andernfalls könnten Geflügelhalter wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen.

Die Weihnachts-Gänse befinden sich derzeit in der letzten Mastphase, für die Schlachtung ist es noch zu früh. Wenn sie zu ihrer Sicherheit nun in den Stall kommen, müssen die Halter zusätzliches Futter geben, was wiederum die Kosten erhöht. Auch die Legehennen-Halter sind alarmiert. In den vergangenen Jahren haben immer mehr von ihnen auf Freilandhaltung gesetzt, da sich mit solchen Eiern mehr Geld verdienen lässt. Wenn die Hennen nun über Wochen im Stall zubringen, können die Landwirte die Normen zur Freilandhaltung nicht mehr einhalten. Die EU hat aber mittlerweile eine Ausnahmeregelung erlassen, wonach Eier bis zu zwölf Wochen nach Beginn der Stallpflicht noch als Freilandeier deklariert werden dürfen. Erst nach Ablauf der Frist dürfen sie nur noch als Eier aus Bodenhaltung deklariert werden.

Gänse- und Entenzüchter Thomas Demmel aus Schlanstedt hält trotzdem nicht viel von der Stallpflicht: "Wenn meine 600 Gänse und 1000 Enten nicht mehr aufs Land dürfen, ist das einfach traurig, denn das ist ihr natürlicher Lebensraum." Demmel bezweifelt auch, dass Wildvögel tatsächlich die Vogelgrippe übertragen. Er vermutet, dass die Krankheit über Tierfutter aus Fernost eingeschleppt wird. "Immer mehr Geflügelbetriebe importieren doch aus Kostengründen das Futter aus China oder Indien", kritisiert Demmel. Er mache da nicht mit und gebe seinen Tieren lieber selbst angebautes Futter. Sollten die Behörden auch bei ihm die Stallpflicht anordnen, will er sich daran aber halten.

Bislang ist noch kein Fall von Vogelgrippe in Sachsen-Anhalt aufgetreten. Sollte die Krankheit jedoch in einem Stall nachgewiesen werden, sieht die Geflügelpest-Verordnung die Keulung des gesamten Tierbestandes im Stall vor. Der Landwirt erhält dann eine Entschädigung, die er aus der Tierseuchenkasse und vom Land Sachsen-Anhalt erstattet bekommt.

Insgesamt halten die Betriebe im Land 14 Millionen Stück Geflügel, für die das Vogelgrippe-Virus eine ernste Gefahr darstellt. Sachsen-Anhalt ist nicht das einzige Bundesland, in dem bald eine Stallpflicht gilt. In Niedersachsen wurden bereits 70 von 90 Millionen Stück Geflügel zur Sicherheit eingestallt, auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben Schutzmaßnahmen erlassen.

Betroffen von der Vogelgrippe-Gefahr sind auch die Rassegeflügelzüchter, die seltene und bedrohte Arten wie Pommerngänse züchten. Dieter Kuhr vom Landesverband Sachsen-Anhalt erklärte, nicht jeder Züchter könne seine Tiere dauerhaft in einem Stall unterbringen. Kuhr bangt zudem um die für kommendes Wochenende geplante Landesrassegeflügelschau mit 4730 Tieren in den Magdeburger Messehallen. Sie soll trotz Vogelgrippe-Gefahr stattfinden. "Bislang haben uns die Behörden noch keine Auflagen gemacht."