Berlin (dpa) l In Berlin steht er schon, der Zukunftstraum der Fertighaus-Branche. Ein Wohnhaus mit sieben Stockwerken im Szenebezirk Prenzlauer Berg. Zehn Monate hat es gedauert, das Gebäude für sechs Familien in Holzbauweise in einer Baulücke zu errichten. Wände und Decken aus Holz und Dämmstoffen waren dabei vorgefertigt wie beim Fertighaus auf der grünen Wiese. "Technisch ist auch beim urbanen Bauen alles machbar", sagt Christoph Windscheif, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau. Die Frage ist, ob Investoren das Prinzip für den Mietwohnungsbau lockt - oder Baugruppen es als künftige Eigentümergemeinschaften interessant finden.

Bisher liegt das klassische Fertighaus-Revier in den Vororten der Städte oder in Neubau-Siedlungen auf dem Land. Dort sieht es dann manchmal aus wie in einem Musterpark: frei stehende Einfamilienhäuser von rustikal bis zum Schwedenlook. Kritiker vermissen dort oft den klassischen Siedlungscharakter, die Bebauungspläne sind ihnen oft zu funktional und stereotyp.

Den Ruf von "Haustyp Erika" hätten Fertighäuser jedoch hinter sich gelassen, sagt Windscheif. Die meisten seien heute individuell geplant. Nur gemauert wird nicht. Die Holzbauteile kommen nach Wunschmaß aus der Fabrik. Ob die einzelnen Vorlieben später als Siedlung zusammenpassen, ist eine andere Frage.

Billiger als Massivbauten sind Fertighäuser nicht. Nach der Verbandsstatistik hat ein Einfamilienhaus heute einen durchschnittlichen Auftragswert von 230000 Euro. Ein Viertel entstehe bereits im Luxussegment über 300000 Euro, berichtet Windscheif. Der Interessentenkreis sei größer geworden.

Trotzdem muss sich die Branche auf Dauer neue Nischen suchen. Ihr Anteil an Baugenehmigungen ist zwar stetig von rund 12 Prozent im Jahr 1995 auf rund 15,7 Prozent im Jahr 2013 gewachsen. Aber der Einfamilienhausbau in Deutschland - Fertig- und Massivhäuser zusammen - stagniert. Nach den Tabellen des Statistischen Bundesamts nahmen die Genehmigungen im vergangenen Jahr trotz extrem niedriger Zinsen nur um rund ein Prozent zu - auf rund 89500. Im ersten Halbjahr 2014 gingen sie sogar um ein Prozent zurück.

Bei Mehrfamilienhäusern schnellten die Anträge 2013 dagegen um 22 Prozent nach oben, auf rund 117500 Gebäude. Ein Trend, der sich bis Juli 2014 fortsetzte. Der Bedarf liegt vor allem in wachsenden Städten wie Berlin.

Bislang kann die Fertighaus-Branche davon kaum profitieren. Der Verband mit mehr als 45 Mitgliedsbetrieben rechnet für 2014 mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, das sind 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Neue Nischen können ihre Tücken haben. Noch nicht alle Bundesländer erlaubten in ihren Bauordnungen zum Beispiel mehrgeschossige Fertigbauten - vor allem wegen alter Brandschutzverordnungen, so der Verband.

Peter Burk vom Freiburger Institut für Bauen und Wohnen hält die Frage, ob ein neues Haus ein Massiv- oder ein Fertigbau werden soll, heute für eine rein emotionale. Für beide Bauweisen gebe es Vor- und Nachteile. Eine gute Bauqualität sei in Holz- und Massivbauweise zu erreichen, sagt der Ingenieur, der im Auftrag der Verbraucherzentrale einen Ratgeber zum Fertighauskauf verfasst hat. Was Burk mehr Sorgen macht, ist die Naivität, mit der viele Häuslebauer an die Sache herangingen. Oft werde die Einbauküche sorgfältiger ausgesucht als das Haus - obwohl das die größte Investition im Leben sei. Burk rät trotzdem - wie beim Massivbau - zu Kontrollen durch einen unabhängigen Fachmann.