Die skurrilsten Tests

Selbstverteidigungswaffen
Nur ein Reizgasrevolver erhielt 1974 die Note "Gut". Die Gaswolke einiger Pistolen brachte das Opfer selbst in Gefahr.

Popkonzerte
Umbaupausen, Service und Akustik gehörten 1980 zu den Kriterien dieses Tests. Fazit: Manche Konzerte sind kein Genuss.

Ehevermittlung
Auch professionelle Vermittler taugen nichts, stellten Mitarbeiter 1984 im Eigenversuch fest.

Schönheitsoperationen
In den 1995 geprüften Beratungsgesprächen zu Brustimplantaten verharmlosten Ärzte die Risiken. Für die Tester ergab sich "ein düsteres Bild einer so schillernd erscheinenden Welt".

Kondome
Alle geprüften Produkte waren "gut", kein einziges "befriedigend". Im Techniktest überzeugten die Latex-Häubchen 2009: Sie platzten erst nach mehr als 30 Litern hineingepumpter Luft. (dpa)

Berlin (dpa) l Kaum ein Produkt für Haushalt und Freizeit wurde noch nicht von ihr untersucht. Sogar Schreckschusswaffen, Sexualtonika und aufblasbare Schlitten durchliefen die Prüfprogramme der Stiftung Warentest. Am 4. Dezember 1964 wurde ihre Gründungsurkunde unterzeichnet, zuvor hatte der Bundestag sie per Beschluss ins Leben gerufen. In den 50 Jahren erwarb sich die Stiftung ein hohes Ansehen. Das muss sie jetzt mit neuen Geschäftsideen gegen wachsende Konkurrenz im Internet verteidigen.

Nach dem bescheidenen Anfang mit Zuwendungen von zwei Millionen Mark jährlich wuchs die Bedeutung der Stiftung Warentest mit ihrer Leserschaft. Die verkaufte Auflage des werbefreien Magazins "Test" stieg im Jahr nach der Wiedervereinigung auf fast eine Million Exemplare. Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Kritik an Tests wird lauter als früher geäußert. Mehr oder weniger unabhängige Internet-Portale veröffentlichen kostenlos Prüfberichte, Kundenbewertungen und Preisvergleiche.

Im Rückblick erkennt Stiftungsvorstand Hubertus Primus auch Fehler in Bewertungen. 1998 wurden Rollstühle nicht gründlich genug getestet. 2002 musste Stiftung Warentest einen Rechenfehler bei der Untersuchung von Riester-Rentenprodukten korrigieren. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr verlor sie im September vor Gericht einen Streit mit dem Schokoladenhersteller Ritter Sport. Es ging um eine angeblich irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas. Der gute Ruf, das Kapital der Warentester, hat unter dem Rechtsstreit gelitten.

Allerdings sind solche Prozesse die Ausnahme. Nach wie vor gibt es nach Worten von Primus keinen einzigen Fall, in dem die Stiftung wegen einer Testbeurteilung Schadenersatz habe zahlen müssen. Die Prüfstandards hätten sich bewährt, die Zusammenarbeit mit Laboren im In- und Ausland auch.

Dennoch begehren Unternehmen gelegentlich gegen schlechte Beurteilungen auf. So zweifelte die Spielwarenindustrie Ende 2013 die Messergebnisse einer Untersuchung von Holzspielzeug an. Ein Jahr zuvor hatte es Ärger um Spuren von Mineralöl in Schokolade aus Adventskalendern gegeben.

Das Beispiel zeigt eine Schwierigkeit der gemeinnützigen Organisation. Sie muss einerseits seriös und glaubwürdig auftreten, zugleich aber auch Eigenwerbung mit manch spektakulärem Testergebnis betreiben. Denn ihre Magazine "Test" und "Finanztest" steuern noch mehr als zwei Drittel ihrer Einnahmen bei. Seit Jahren sinken ihre Auflagen, auf zuletzt auf 430000 "Test"-Exemplare und 220000 "Finanztest"-Hefte. Auch deshalb rutschte die Stiftung 2012 in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr stand unter dem Strich wieder ein Überschuss von einer Million Euro, dank einer kräftigeren Finanzspritze aus dem Stiftungskapital.

Das wichtigste Projekt für uns ist der Ausbau des Internetangebots", sagt Primus. Die interaktiven Produkt-Datenbanken würden ständig erweitert. Die Verbraucher wollten stets Testergebnisse auf dem neuesten Stand. Der Zugang kostet die Interessenten kleine Euro-Beträge. Bei allem Wandel wollen die Warentester aus Berlin an einem festhalten: Die altmodischen Schulnoten für Produkte und Dienstleistungen von "sehr gut" bis "mangelhaft" werden bleiben.