Magdeburg l Hagen Mauer ist Unternehmer in der Altmark. Im 400-Seelen-Dorf Schinne arbeiten 15 Mitarbeiter in seinem Metall- und Stahlbau-Betrieb. "Viele Ausschreibungsunterlagen werden über das Internet abgerufen. Da sind wir manchmal arm dran", sagt Mauer. Denn in der Region im Norden Sachsen-Anhalts gibt es keine schnelle Breitbandverbindung. "Besonders nachmittags und am Abend ist das Internet langsam", so der Unternehmer. Für Mauer und seine Firma ein echter Standortnachteil.

Unternehmen in Sachsen-Anhalt bewerten die Verfügbarkeit von schnellem Internet als wichtigsten Standortfaktor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt unter mehr als 900 Unternehmen im Land.

Doch gerade hier hat Sachsen-Anhalt Nachholbedarf - besonders in dünn besiedelten Regionen wie der Altmark. Zwar stehen bis 2020 insgesamt 110 Millionen Euro für den Breitbandausbau zur Verfügung, vielen Firmen im Land geht das aber zu langsam. "Die Landesregierung wird zwar aktiv, aber aus unserer Sicht sollte das schneller gehen", so Grupe.

"Betriebe, die kein schnelles Internet zur Verfügung haben, sind im Wettbewerb stark benachteiligt", sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg Burghard Grupe. Er befürchtet, dass auch Landkreise, die noch keine Breitbandverbindung anbieten, ins Hintertreffen geraten. Vor allem wenn sich Firmen bei einer Ansiedlung zwischen mehreren Standorten entscheiden können.

Bei der flächendeckenden Breitband-Versorgung schneiden laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Städte Halle und Magdeburg am besten ab. Sie liegen nahe am Bundesdurchschnitt. Am schlechtesten ist die Verbindung in Dessau-Roßlau, im Jerichower Land und im Saalekreis. Spätestens 2020 sollen flächendeckend Anschlüsse von 50 Megabit pro Sekunde angeboten werden können. Derzeit kommen nur etwas mehr als 32 Prozent der Haushalte in den Genuss dieser Geschwindigkeit.

Lebensmittelhandwerk klagt über teueren Strom

Auch die steigenden Energiepreise sorgen bei den Unternehmen in Sachsen-Anhalt für Unmut. Insbesondere der Strompreis trägt seit Jahren zur Kostensteigerung bei. Burghard Grupe sieht eine wachsende Ungerechtigkeit: "Während es für große Indus- triebetriebe Ausnahmen bei der Umlage für die erneuerbaren Energien gibt, müssen kleinere Betriebe diese Last voll tragen." Besonders das Lebensmittelhandwerk klage über gestiegene Kosten, so Grupe.

Die Umfrage unter den Unternehmern soll die Kommunal- und Landespolitik zum Handeln anregen. Für die Datenerhebung wurde ein Fragebogen mit 36 ausgewählten Standortfaktoren an die wichtigsten Wirtschaftsstandorte versandt. Die Ergebnisse sollen zusammen mit den kommunal Verantwortlichen besprochen und den lokalen Unternehmen präsentiert werden.