München (dpa) l Die Arbeit an Tablet, Notebook oder Smartphone macht viele Beschäftigte im Büro, unterwegs oder im Home-Office zu Dauergästen im Internet. Auch in der Produktenwicklung und bei vielen Produktionsprozessen geht nichts mehr ohne Vernetzung.

Vor allem die ständige Erreichbarkeit durch E-Mails und Mobiltelefonie bietet seit Jahren Diskussionsstoff. Einige Unternehmen bauen mittlerweile Dämme gegen die Kommunikationsflut. Sie bieten an, dienstliche E-Mails, die Mitarbeiter während ihrer Urlaubszeiten bekommen, zu löschen, wie der Autobauer Daimler.

Beim Versicherungskonzern Allianz appelliert eine Kampagne auch an die Eigenverantwortung der Beschäftigten "Wie Sie Ihr Wochenende gestalten, entscheiden Sie selbst", heißt es auf den Plakaten, die im Firmengebäude aushängen.

Abarbeiten lassen sich viele Aufgaben mittlerweile von jedem Ort. Damit durch die flexiblere Zeiteinteilung nicht Arbeit und Freizeit immer stärker verschwimmen, machen sich Arbeitnehmervertreter dafür stark, dass Grenzen gezogen werden wie beim Autobauer BMW: Auf Basis einer Betriebsvereinbarung können sich die Mitarbeiter mobile Tätigkeiten als Arbeitszeit anrechnen lassen und ihre Aufgaben erledigen, wann es am besten in ihren Tagesablauf passt - und das ist bei manchen Beschäftigten eben erst um 20 Uhr abends, wenn der Haushalt erledigt ist und die Kinder im Bett liegen.

Neben solchen positiven Ansätzen gibt es auch problematische Entwicklungen, sagt Vanessa Barth, Digitalisierungs-Expertin beim IG-Metall-Vorstand. Weil mehr Menschen mobil arbeiten, bieten manche Firmen nicht mehr für jeden Arbeitnehmer einen festen Arbeitsplatz im Büro an und setzen zunehmend auf die sogenannte Vertrauensarbeitszeit. Dabei stehen die zu erledigenden Aufgaben und nicht mehr der Zeitaufwand des Mitarbeiters im Vordergrund. "Das ist eine Flatrate auf die Arbeitszeit", sagt die Gewerkschafterin. So lasse sich auch nicht mehr kontrollieren, wie viel Manpower für ein Projekt nötig ist.

Auch das Crowdsourcing, also die Vergabe von Teilaufgaben an Internet-User in aller Welt, sieht Barth zwiespältig. Der Zugang zu Arbeit werde zwar erleichtert, weil aufwendige Bewerbungsprozesse wegfallen, doch seien die Auswahl der Arbeit und die Bezahlung häufig intransparent.

Als Verhinderer neuer und flexiblerer Arbeitsmodelle will sich die Gewerkschaft nicht verstanden wissen. Es gehe darum, Arbeit gemeinsam und auf Augenhöhe zu gestalten, sagt Barth. Dazu gehöre die Weiterbildung, damit auch ältere Beschäftigte als "Digital Immigrants" in der neuen Arbeitswelt nicht den Anschluss verlieren. Diesen Punkt hat die IG Metall deshalb auch für die im Januar beginnende Tarifrunde auf die Agenda gesetzt.