Nürnberg l Die Zahl der Bulgaren und Rumänen, die in Deutschland arbeiten, hat sich im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, von 132000 auf 257000. Das teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit. Grund für den enormen Zuwachs ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die seit einem Jahr für Menschen aus beiden Ländern gilt.

Die IAB-Forscher gehen davon aus, dass vor allem jene die neue Freizügigkeit genutzt haben, die bereits länger in Deutschland leben. Zuletzt waren das rund eine halbe Million. Sowohl Rumänen als auch Bulgaren gelten als vergleichsweise gut im deutschen Arbeitsmarkt integriert. So lag die Arbeitslosenquote bei Rumänen und Bulgaren in Deutschland im Oktober 2014 bei 9,2 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Der Wert lag dabei 5,4 Prozentpunkte unter der Arbeitslosenquote der gesamten ausländischen Bevölkerung.

Ähnlich verhält es sich bei dem Bezug von Hartz-IV-Leistungen. 14,1 Prozent der Rumänen und Bulgaren erhielten im September Geld vom Staat, die Quote der gesamten ausländischen Bevölkerung lag hingegen bei 16 Prozent.

IAB-Experte Brücker widersprach Vorurteilen, wonach viele Rumänen und Bulgaren vor allem wegen des Anspruchs auf Kindergeld nach Deutschland kämen. Nur für 16,8 Prozent der Kinder aus bulgarischen und rumänischen Familien bestand nach den Zahlen des IAB im November Kindergeldanspruch. Im Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung lag dieser Anteil bei 27,1 Prozent und im Gesamtdurchschnitt bei 17,8 Prozent.

Bulgaren und Rumänen haben seit Januar 2014 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa. Das heißt, sie dürfen wie alle anderen EU-Bürger in Deutschland und anderen Mitgliedsländern uneingeschränkt arbeiten.