Frankfurt/Main (dpa) l Der Euro ist am Freitagmorgen auf 1,2035 US-Dollar abgerutscht und erreichte damit den tiefsten Stand seit Juni 2010. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,2141 (Dienstag: 1,2160) Dollar festgelegt.

Die Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die EZB habe die Gemeinschaftswährung belastet, hieß es aus dem Handel. Das hat unterschiedliche Auswirkungen: Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, können Exportunternehmen ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger verkaufen. Andererseits bekommen Touristen außerhalb des Währungsraums weniger für einen Euro.

Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte dem "Handelsblatt" gesagt: "Das Risiko, dass wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten." Die EZB sei deshalb in technischen Vorbereitungen, "um den Umfang, Tempo und die Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren". Gerechnet wird mit einem breiten Aufkauf-Programm für europäische Staatsanleihen (siehe Info-Kasten).

Während die Eurozone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, verfolgt die US-Notenbank Fed seit geraumer Zeit eine Straffung. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt auf den Devisenmärkten den Dollar und setzt den Euro immer stärker unter Verkaufsdruck.

Draghi verteidigte die expansive Geldpolitik der EZB und sprach sich deutlich gegen mögliche Leitzinserhöhungen aus. "Die Stabilität würde leiden - und das würde Investoren und Sparer noch mehr schädigen. Wir halten die Zinsen niedrig, um die Wirtschaft zu stimulieren und Preisstabilität zu erreichen."