Kahla (dpa) l Nach einer langjährigen Branchenkrise bekommen die deutschen Porzellanhersteller wieder Boden unter die Füße. Flankiert von EU-Strafzöllen auf Dumpingware aus China haben sie 2014 das zweite Jahr in Folge ein Umsatzplus verbucht. Beim Branchenverband der Keramischen Industrie ist von etwa fünf Prozent die Rede. Noch viel stärker brummt das Geschäft beim traditionsreichen Hersteller Kahla. Vom "besten Geschäftsjahr seit der Wiedervereinigung" spricht dessen geschäftsführender Gesellschafter Holger Raithel. Das aus dem ehemaligen VEB Feinkeramik hervorgegangene Familienunternehmen macht vor, wie sich trotz billiger Konkurrenz aus dem Ausland deutsche Hersteller auf dem schwierigen Porzellanmarkt behaupten können.

Auf 30,2 Millionen Euro beziffert Raithel den Umsatz im vorigen Jahr - ein Plus von 36 Prozent. Zeitweise musste das 300 Mitarbeiter starke Stammpersonal um bis zu 50 Menschen aufgestockt werden. Dabei hat das Unternehmen einerseits von einem Großauftrag für eine Treueprämienaktion im Handel profitiert. "Aber letztlich sind wir in allen Bereichen gewachsen, auch beim Porzellan für Hotels und Gaststätten", betont Raithel. Zudem habe das Auslandsgeschäft um mehr als zehn Prozent zugelegt.

In Kahla südlich von Jena wird seit gut 170 Jahren Porzellan industriell hergestellt - erst Pfeifen- und Puppenköpfe, dann auch Geschirr. Zu DDR-Zeiten war der Ort Sitz eines Kombinats, zu dem 17 Betriebe gehörten. Nach der Wiedervereinigung endete eine erste Privatisierung in der Pleite. Dann übernahm Raithels Vater Günther.

Seither führt das Unternehmen Traditionelles wie Zwiebel- und Strohblumendekors fort, setzt aber zugleich unablässig auf Innovationen etwa im Design. Jüngstes Beispiel ist ein patentiertes Porzellan mit Silikonfuß, wodurch es rutschfester und ihm das Klappern ausgetrieben wurde. Allein dafür ist das Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit sieben Designpreisen ausgezeichnet worden - insgesamt summiert sich die Zahl solcher Auszeichnungen seit der Neugründung 1994 auf 91.

"Gerade im internationalen Marktumfeld braucht man Innovationen und Andersartigkeit, um sich von anderen abzuheben", betont Raithel. Denn es sei für das Unternehmen viel zu teuer, in vielen verschiedenen Ländern in den Aufbau der Marke zu investieren. 2005 hat er die Geschäfte von seinem Vater übernommen und setzt dessen Kurs seither unbeirrt fort. So gern er über Design spricht, so schmallippig wird Raithel bei der Frage nach dem Gewinn. Auch während der Branchenkrise habe Kahla-Porzellan stets schwarze Zahlen geschrieben, sagt er.

Ob die Branche insgesamt die Trendwende geschafft hat, da gibt sich Verbandsgeschäftsführer Christoph René Holler vorsichtig. Die Nachfrage nach Porzellan habe vor allem im Inland, getrieben von einer besseren Kauflaune der Verbraucher, angezogen. "Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht", sagt er und verweist auf Investitionen in neue Produkte und zur Einsparung von Energie.