Magdeburg l 1000 Beschäftigte in Sachsen-Anhalt hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu ihrem Berufsleben befragt. Die Ergebnisse spiegeln die positive Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre wider. Nur noch 20 Prozent der Befragten fürchten, keine neue Stelle mehr zu bekommen, wenn sie arbeitslos werden. 2011 lag der Anteil noch bei 37 Prozent. Zudem sorgen sich nur noch 25 Prozent allgemein um ihre berufliche Zukunft.

Die günstigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt führen auch dazu, dass sich die Erwartungshaltungen der Arbeitnehmer verändern. "Die Beschäftigten agieren mittlerweile wesentlich selbstbewusster", erklärt IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. "Sie sind bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln und achten dabei sehr genau auf tariflich abgesicherte Arbeits- und Lebensbedingungen."

Jeder Vierte hat die Stelle gewechselt

Der Umfrage zufolge haben bereits in den vergangenen fünf Jahren 24 Prozent der befragten Beschäftigten den Betrieb gewechselt. 26 Prozent gaben an, dass sie sich einen Wechsel vorstellen könnten, wenn sich die Gelegenheit bietet. Bei Beschäftigten, die in Branchen arbeiten, in denen die Arbeitsbedingungen schlecht sind, erklärte sich jeder zweite Beschäftigte zum Wechsel bereit. Im Handel, in der Gastronomie und im Bereich unternehmensbezogener Dienstleistungen liegt der Anteil von Wechselwilligen sogar bei mehr als 60 Prozent.

Mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel sagte IG-Metall-Chef Meine, Arbeitgeber, die nicht bereit seien, nach Tarif zu bezahlen, müssten damit rechnen, dass ihre Arbeitskräfte von Unternehmen abgeworben werden, die bessere Bedingungen bieten. "Schwarze Schafe wie Enercon bekämpfen Gewerkschaften und wollen von Tarifen nichts wissen. Ich frage mich, wie lange das bei denen noch gut geht", so Meine. Der positive Wirtschaftstrend hat offenbar auch dazu geführt, dass sich die Arbeitnehmer höhere Verdienste wünschen. So hat die Unzufriedenheit über das Einkommen trotz positiver Lohnentwicklung zugenommen. Nur noch 39 Prozent der Befragten hielten ihr Einkommen im vergangenen Jahr für angemessen, 2011 waren es noch 44 Prozent.

Schlechte Noten für Vorgesetzte

Das Einkommensgefälle zwischen Sachsen-Anhalt und Westdeutschland ist weiterhin groß. Der Niedriglohnbereich zwischen 800 und 1500 Euro brutto umfasst in Sachsen-Anhalt 28 Prozent der Beschäftigten, in Westdeutschland 15 Prozent. Dagegen erhalten in Westdeutschland 42 Prozent der Beschäftigten mehr als 2500 Euro brutto pro Monat, in Sachsen-Anhalt nur 22 Prozent.

In der DGB-Befragung ging es aber nicht nur ums Geld, sondern auch um Arbeitsbedingungen. So ist Nachtarbeit mit 16,7 Prozent immer noch stärker verbreitet als im Westen (9,8 Prozent). 43,1 Prozent der Beschäftigten müssen körperlich schwer arbeiten, im Westen liegt der Anteil bei 31,4 Prozent. Deutliche Kritik äußern die Befragten auch an der Betriebsführung. Jeder Dritte vermisst eine gute Planung der Arbeit, 42 Prozent kritisieren späte oder keine Informationen über Entscheidungen und fast 40 Prozent vermissen eine persönliche Wertschätzung durch die Vorgesetzten. Dagegen wird das Arbeitsklima unter Kollegen vom Großteil der Befragten positiv bewertet.

Sachsen-Anhalts DGB-Chef Udo Gebhardt betonte, es sei erfreulich, dass es weniger schlecht bezahlte Jobs gebe und sich die Arbeitsbedingungen zumindest dem ostdeutschen Durchschnitt weitgehend angeglichen hätten. Dennoch müssten die Unternehmen mehr hochwertige Jobs schaffen.

Sachsen-Anhalts Arbeitsminister Norbert Bischoff (SPD) betonte, es sei wichtig, die Einführung des Mindestlohns weiter zu begleiten. "Ich habe schon von vielen die Rückmeldung bekommen, dass sie mehr Wertschätzung für ihre Arbeit erhalten und dass sie sich darüber freuen, dass der unlautere Wettbewerb mancher Konkurrenten nun ein Ende gefunden hat", sagte Bischoff. Der Arbeitsmarkt biete den Menschen wieder Chancen, die Zeiten der Perspektivlosigkeit seien vorbei.