Magdeburg l Rainer Heller hat ein Problem. Der Magdeburger fährt regelmäßig mit der Bahn nach Bonn und wieder zurück, und genauso regelmäßig sieht er auf dem Bahnhof Hannover nur noch die Rücklichter des Anschlusszugs. Einige Minuten Verspätung reichen, dass Rainer Heller seinen Anschluss nach Magdeburg verpasst. "Die Züge warten nicht aufeinander", sagt der Bahnreisende.

Um das zu klären, wartet Heller nun im Büro von Alexander Kaczmarek. Kaczmarek, einst CDU-Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus, ist seit zwei Jahren Bevollmächtigter der Bahn in Sachsen-Anhalt, also deren Landeschef. Am Montag ist sein Büro für Kunden und ihre Probleme und Vorschläge geöffnet. Das sei Teil einer neuen Öffnung der Bahn, sagt Kaczmarek. "Mir ist es lieber, wenn die Leute herkommen, als sich fürchterlich zu ärgern und nicht mehr mit der Bahn fahren." Er selbst gibt sich Bahnkunden-nah: "Dienstauto abschaffen, das war meine erste Amtshandlung." Die Botschaft: Kaczmarek kennt sich aus mit verspäteten und überfüllten Zügen, langen Wartezeiten und verpassten Anschlüssen.

Ob Kaczmarek Rainer Heller helfen kann, weiß er noch nicht. Der Frühzug aus Magdeburg erreicht Hannover fünf Minuten nach Abfahrt des Anschlusses, bei der Rückfahrt ist die Umstiegszeit zu kurz, um Verspätungen abzufedern. "Fünf Minuten, das ist natürlich blöd", sagt Kaczmarek.

Ein anderer Besucher moniert den Bahnhof in Wolmirstedt. Dort ist einer der Bahnsteige nicht barrierefrei. "Eigentlich steht Wolmirstedt erst für 2018 auf dem Plan", sagt Kaczmarek. Generell sei ein Umbau immer sehr schwierig. "Das berührt auch Sicherheitsfragen." Doch der Konzernbevollmächtigte wird sich mit dem Problem in der Börde-Stadt auseinandersetzen. Ob es dort schon vor 2018 eine Lösung gibt, kann er aber nicht versprechen.

Ähnlich sieht es in Sommersdorf bei Marienborn (Landkreis Börde) aus. Dort müssten Autofahrer überlange Wartezeiten an Bahnübergängen in Kauf nehmen. Die dortige Strecke Braunschweig-Magdeburg gehöre zu den am stärksten befahrenen in Deutschland. "Das ist für uns erfreulich, aber für die Autofahrer an den Bahnübergängen natürlich misslich", sagt Kaczmarek. Wenn die Ursache der langen Schließzeiten technischer Natur ist, könne er etwas machen. Ansonsten müssten die Kommunen handeln, und Bahnübergänge durch Tunnel ersetzen, sagt Kaczmarek. "Aber das kostet sehr viel Geld."

Lösen kann Kaczmarek sowieso nicht alles, vieles liegt außerhalb seiner Entscheidungsgewalt. Die Verkürzung der Regionalexpress-Linie zwischen Halle und Hannover zum Beispiel, die seit Herbst bereits in Goslar endet, ärgert ihn. Die niedersächsische Regierung wollte aus der Finanzierung des grenzüberschreitenden Zuges aussteigen. "Schade, dass sich die sachsen-anhaltische Politik da nicht durchsetzen konnte. Das nennt sich Kleinstaaterei", sagt Kaczmarek.

Für Sachsen-Anhalt kündigt er umfangreiche Bauarbeiten an. 2016 soll in Halle und Magdeburg umfassend saniert werden. "Hier bleibt kein Stein auf dem anderen", sagt Kaczmarek. Dass in beiden Großstädten gleichzeitig gebaut werde, liege an den Verzögerungen in Magdeburg im Zuge des Streits um den Citytunnel.

In der Fläche schreite der zweigleisige Ausbau zwischen Stendal und Uelzen voran. Auf dem Plan stehe zudem die Modernisierung der Strecke zwischen Halberstadt und Magdeburg. Dort soll es künftig zügiger vorangehen, unter anderem durch den Abbau von Bahnübergängen.

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