Magdeburg l Dienstagmorgen vor einem Magdeburger Café. Der Händedruck von Nils-Holger Böttger zur Begrüßung ist kräftig. Der eben einsetzende Schneefall weht erste Flocken in seinen dunkelblonden Bart. Einen Tag vor dem Prozess, der darüber entscheidet, ob die Kündigung der Magdeburger Enercon-Tochterfirma WEA Service Ost gegen ihn rechtmäßig war, hat der 35-Jährige noch Zeit für einen Kaffee.

Für den Betriebsrat, dem im Juni vergangenen Jahres gekündigt wurde, geht bei dem Prozess am heutigen Mittwoch vor dem Arbeitsgericht Magdeburg eine anstrengende Zeit zu Ende. Vom Vorsitzenden Richter wird eine Entscheidung erwartet. "Alle Details liegen auf dem Tisch", erklärt Böttger. "Ich rechne mit einem Sieg." Mehr als sieben Monate sind vergangenen, seitdem der Betriebsratsvorsitzende der WEA Service Ost die E-Mail schrieb, in der er den Umgang mit Leiharbeitern in seiner Firma als satirisches Märchen darstellte. Auch nach der Kündigung, die durch den Betriebsrat der Firma nicht abgesegnet wurde, arbeitete Böttger weiter. Nicht einfach für den dreifachen Vater. "Das war scheußlich. Dieser Prozess stand während der ganzen Zeit im Raum", sagt er.

Böttger bekam Unterstützung durch die Gewerkschaft, die Politik und andere Betriebsräte. 14000 Unterschriften von Unterstützern aus ganz Deutschland sprachen sich gegen die Kündigung aus. "Die Leute sagten mir, dass ich standhaft bleiben muss. Sonst fallen alle um", erklärt der gebürtige Düsseldorfer, der seit 2003 in Magdeburg lebt.

Mit sonorer, warmer Stimme schildert er seine Lage. Seine blauen Augen schauen gutmütig aus. Aber Böttger will wachrütteln. Von seinem Fall soll ein Signal ausgehen. "Man kann sich gegen seine Vorgesetzten wehren und muss nicht alles herunterschlucken. Die Unterstützung hat gezeigt, dass die Gesellschaft auf der Seite der Menschen ist", sagt Böttger. Doch die eigentlichen Probleme in seinem Betrieb, der für die Wartung der Enercon-Windkraftanlagen zuständig ist, sind nicht gelöst. "Bei Enercon werden weiterhin Betriebsräte, die mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten, unter Druck gesetzt", sagt Böttger. Befristete Verträge einzelner Mitarbeiter seien nicht verlängert worden. Sie würden nun als Leiharbeiter beschäftigt - und machen denselben Job wie vorher für weniger Geld.

Um seine persönliche Zukunft macht sich Böttger hingegen weniger Sorgen. Er ist ausgebildeter Elektrotechniker. In diesem Beruf liege die Arbeitslosenquote bei 0,9 Prozent. Fachkräfte würden gesucht. "Hier in der Gegend um Magdeburg stehen so viele Windräder. Irgendeines davon wartet auf mich", sagt Böttger.