Magdeburg l Nach dem wirtschaftlich erfolgreichen Jahr 2014 rechnen die Unternehmen in Sachsen-Anhalt mit einer Abkühlung der Konjunktur. Das geht aus einer Umfrage zum Geschäftsklima hervor, die am Mittwoch von der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern für Sachsen-Anhalt vorgestellt wurde.

Der Geschäftsklima-Indikator fiel demnach von seinem historischen Hoch bei 23,1 Punkten im ersten Quartal 2014 auf nunmehr 9,2 Punkte. Einen so niedrigen Wert erreichte der Indikator zuletzt im Krisenjahr 2009.

Carola Schaar, Präsidentin der IHK Halle-Dessau, begründete den Stimmungsumschwung mit der Einführung des Mindestlohns und der Rente mit 63. "Die überstürzt eingeführte Rente mit 63 führt jede planvolle Personalpolitik ad absurdum, denn viele Fachkräfte scheiden nun kurzfristig aus dem Arbeitsleben aus." Hinzu kämen neue Beschäftigungshürden durch den Mindestlohn.

So erklärten viele Unternehmen in der Umfrage, sich künftig mit Neueinstellungen zurückhalten zu wollen. Die Arbeitskräftenachfrage rutschte dadurch statistisch auf Krisen-Niveau ab. "Nach einem Jahr mit Rekordbeschäftigung hat die Politik alles getan, damit der positive Trend am Arbeitsmarkt nicht anhält."

Politische Krisen wirken sich aus


Die Industrie, die allein für ein Fünftel der Bruttowertschöpfung im Land steht, muss obendrein Auftragsrückgänge verkraften. "Die Unternehmen haben deshalb ihre Erwartungen zuletzt immer wieder nach unten korrigiert", erklärte Rolf Lay, Vizepräsident der IHK Magdeburg.

Vor allem die Auslandsnachfrage stagniert derzeit. Zwischen Januar und Oktober 2014 haben die Exporte hiesiger Unternehmen ins Ausland nur noch um 0,5 Prozent zugelegt. Eingebrochen sind die Ausfuhren in Krisen-Regionen. Die Russland-Exporte sanken um 12,9 Prozent, die in die Ukraine sogar um 34,6 Prozent. Ein Negativ-Trend, der bereits seit zwei Jahren anhält.

2012 exportierten Firmen aus Sachsen-Anhalt noch Güter im Wert von 416 Millionen Euro nach Russland, 2014 waren es nur noch Waren im Wert von 316 Millionen Euro. "Einige Unternehmen, die sich auf die Märkte in Russland und in der Ukraine spezialisiert haben, kämpfen mittlerweile ums Überleben", erklärte Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau.

Firmen profitieren von US-Konjunktur


Allein von den Geschäften mit Russland und der Ukraine hängt die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt aber nicht ab. 70 Prozent aller Exporte gehen in die EU-Nachbarländer. Nach Polen wurden zuletzt Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro geliefert. Zu den Top-Exportmärkten gehören außerdem Großbritannien, Frankreich und Italien.

Die Firmen in Sachsen-Anhalt konnten zuletzt auch vom Aufschwung in den USA profitieren. Sie exportierten Waren im Wert von 569 Millionen Euro über den Atlantik, der Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent. Die Handelskammern erhoffen sich weitere Impulse von einem Freihandelsabkommen mit den USA. "Grundsätzlich begrüßen wir die Verhandlungen", sagte Rolf Lay. Er appellierte an die Politik, die Russlandkrise endlich beizulegen.