Ein Großteil der Euro-Scheine in Deutschland wurde bisher in München hergestellt. Damit ist es bald vorbei: Der Gelddrucker Giesecke Devrient schließt die Produktion. Bald kommt der Euro aus Sachsen.

München/Leipzig (dpa) l Der Euro verschwindet aus Bayern. Noch in diesem Jahr will der Gelddrucker Giesecke Devrient (G D) seine Banknoten-Produktion in München aus Kostengründen schließen. Künftig sollen die Scheine im Leipziger Werk hergestellt werden.

1. Wer darf die Banknoten für Deutschland überhaupt drucken?

Jahrzehntelang hatte die Bundesbank die Aufträge zum DM-Mark-Druck in Deutschland jeweils zur Hälfte an die staatliche Bundesdruckerei in Berlin und an Giesecke Devrient in München vergeben. Zu den Zeiten der D-Mark klappte das gut. Auch beim Erstdruck der Euro-Noten kamen die beiden Unternehmen gleichwertig zum Zug. Inzwischen stehen sie aber mit anderen Druckereien im Ausland im Wettbewerb. Denn seit 2008 schreibt die Bundesbank die Aufträge für den Euro-Druck europaweit aus. Seitdem erhalten auch ausländische Druckereien, die für den Euro-Druck zertifiziert sind, den Zuschlag - heimische Hersteller gehen mitunter leer aus. Umgekehrt haben die deutschen Druckereien nach Angaben von G D bei den großen Euro-Staaten keine Chance auf Aufträge.

2. Warum will G D den Euro-Druck in München schließen?

Weil sich die Herstellung an dem Standort nicht mehr rechnet. "Wir müssen insgesamt - also nicht nur im Druck-Bereich - 100 Millionen Euro Kosten rausnehmen, damit wir eine wirtschaftlich vertretbare Situation haben", sagte Geschäftsführer Walter Schlebusch. Durch die geänderte Vergabepraxis müsse man mit staatlich subventionierten Anbietern aus dem Ausland um die Euro-Aufträge konkurrieren. Neben der Schließung der Banknoten-Produktion soll bei G D auch die Verwaltung umgebaut werden. Insgesamt sollen in München rund 630 Stellen gestrichen werden - und weitere verlagert.

3. Kann der Euro-Druck ohne Weiteres nach Leipzig verlagert werden?

Das Leipziger Werk gilt als Wiege von Giesecke Devrient - dort wurde das Unternehmen 1852 gegründet. In dem Altbau mitten in der Stadt werden bereits rund 60 Währungen für andere Länder hergestellt. Trotzdem können die Maschinen nicht einfach so auf den Euro eingestellt werden: Zunächst braucht der Standort eine Lizenz von der Europäischen Zentralbank (EZB). Dafür muss das Werk eine ganze Reihe von Sicherheitsvorkehrungen erfüllen. Die ersten Euro-Banknoten könnten aber bereits in diesem Jahr vom Band laufen. In München werden die bestehenden Aufträge abgearbeitet. Danach kommen nur noch das Papier und Sicherheitsmerkmale wie die Wasserzeichen und Hologrammstreifen aus Bayern. Sie werden im Werk Louisenthal am Tegernsee hergestellt.

4.Hat das Bargeld überhaupt noch eine Zukunft?

Nicht nur die EC- und die Kreditkarte machen dem Bargeld Konkurrenz. Auch das Smartphone könnte das Portemonnaie bald in vielen Geschäften überflüssig machen. In Deutschland haben rund 40 Millionen Menschen ein internetfähiges Handy - und etliche Firmen arbeiten an Lösungen für das Bezahlen per Smartphone. Trotzdem bleibt das Bargeld nach Angaben der Bundesbank beim Restaurantbesuch oder Supermarkteinkauf das meistgenutzte Zahlungsmittel - vor allem bei kleineren Beträgen.