Magdeburg l Im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben sich bislang mehr als 22.000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt, um den Forderungen der IG Metall nach einem Lohnplus von 5,5 Prozent mehr Druck zu verleihen. Bundesweit sollen es sogar 450.000 gewesen sein.

Die IG Metall verhandelt derzeit um neue Verträge sowohl für die Beschäftigten in der Fläche als auch für die Mitarbeiter von Volkswagen. Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie haben bislang nur Lohnsteigerungen von 2,2 Prozent geboten, Volkswagen hat gar kein Angebot vorgelegt. In dieser Woche könnte aber Schwung in die Verhandlungen kommen.

Bereits am Montag verhandeln die Tarifparteien im Bezirk Bayern weiter, am Mittwoch folgen Gespräche in Baden-Württemberg. "Sollten die Parteien dort zu einer Einigung kommen, könnte das auch die Verhandlungen für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt voranbringen", erklärte ein IG-Metall-Sprecher am Sonntag auf Volksstimme-Anfrage. In der Vergangenheit kam es schon häufiger vor, dass Bayern und Baden-Württemberg sogenannte Pilotbezirke waren, Ergebnisse von dort für andere Bezirke übernommen wurden.

Momentan liegen die Tarifparteien aber noch weit auseinander. Neben einem Lohnplus von 5,5 Prozent fordert die IGMetall im hiesigen Bezirk die tarifliche Absicherung von 1400 Ausbildungsplätzen. Zudem will sie per Tarifvertrag komfortablere Altersteilzeit- und Weiterbildungsmodelle durchsetzen.

Die Arbeitgeber dagegen wollen über ein Lohnplus von 2,2 Prozent nicht hinaus. Das Angebot liege "an der Grenze des Machbaren", erklärte Verhandlungsführer Heins Ziesmann vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalt (VME). Die Altersteilzeit soll nach dem Willen des Verbands nur auf freiwilliger Basis möglich sein. Wegen des Fachkräftemangels sollten lediglich besonders belastete Beschäftigte künftig einen Anspruch auf Altersteilzeit erhalten. Den von der IG Metall geforderten Ausbau der Weiterbildung lehnt der VME rundweg ab, die Unternehmen würden ihren Mitarbeitern bereits ausreichende Angebote machen. Ziesmann: "Unsere Firmen investieren jedes Jahr 122 Millionen Euro."

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine erklärte am Sonntag: "Entweder legen die Arbeitgeber ein verbessertes Angebot vor, oder wir werden die Gangart verschärfen." Gleiches gelte für Volkswagen, der Autobauer müsse endlich ein Angebot machen. Am Donnerstag steht das nächste Gespräch mit VW an, Freitag folgen Verhandlungen für die Fläche. Derzeit verdient ein Facharbeiter bei VW 2800 Euro brutto im Monat, hinzu kommen Schichtzulagen und Boni. In der Fläche verdienen Facharbeiter im Schnitt 2600 Euro.