Was will die GDL eigentlich?

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verfolgt in der Tarifauseinandersetzung mit der Bahn mehrere Ziele. Es sind zum einen klassische Gewerkschaftsforderungen: Fünf Prozent mehr Geld, eine Stunde weniger Arbeit pro Woche und eine Begrenzung der Überstunden auf 50 pro Jahr.

Die anderen Ziele sind diejenigen, um die beide Seiten so heftig ringen und die bislang zu sechs Streiks geführt haben. Mit ihnen will die vergleichsweise kleine Spartengewerkschaft GDL (34000 Mitglieder) ihren Einflussbereich vergrößern und die eigene Existenz sichern.

Konkret geht es darum, eigenständige Tarifverträge auszuhandeln, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Gruppen des Zugpersonals, vor allem für Zugbegleiter und Lokrangierführer.

Die GDL behauptet, der Konzern wolle ihr das nicht zugestehen. Sie solle sich letztlich den Tarifregeln unterordnen, die die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für diese Berufe aushandelt. Die Bahn bestreitet das zwar, stellt aber immer wieder klar, dass sie - egal wie die Tarifstruktur künftig aussieht - keine zwei unterschiedlichen Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe hinnehmen will. (dpa)

Frankfurt/Main (dpa) l Für die Kunden der Deutschen Bahn bleibt die Planung der nächsten Tage unsicher. Noch immer droht dem Verkehrskonzern ein Streik der Lokführer. Es schien am Donnerstag aber auch möglich, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Ausstand noch abbläst. Bis zum Nachmittag nannte die GDL keinen Streiktermin.

Die Bahn versuchte am Donnerstag, die Gewerkschaft von ihrem Vorhaben abzubringen. "Ja, wir reden miteinander, wir sind in Kontakt", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in Frankfurt. "Und wir werden uns bemühen, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, bevor wir ein Ergebnis haben", ergänzte er. Weber zeigte sich verhalten optimistisch: "Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Wir sind nah an einer Verständigung. Das müsste uns gelingen, wenn wir uns beide anstrengen." Er wiederholte, dass es aus seiner Sicht für die GDL keinen Anlass gebe, "die Republik lahmzulegen".

Der Vorsitzende des Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt, rief beide Seiten auf, die Verhandlungen fortzuführen. "Es ist jetzt nicht die Zeit für Eskalation, sondern für intensive Verhandlungen", sagte er dem "Tagesspiegel". In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag) brachte er auch eine Schlichtung ins Spiel. Die GDL ist Mitglied im Beamtenbund.

Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) schlug zur Konfliktlösung ebenfalls eine Schlichtung vor. Zunächst sollten Bahn und GDL Organisations- und Arbeitsbedingungen zu trennen versuchen. "Und wenn sie damit nicht weiterkommen, dann sollen sie in Gottes Namen einen Schlichter einladen, der ihnen dabei hilft", sagte Biedenkopf im MDR.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte vor großen Schäden für die deutsche Wirtschaft durch längere Streiks. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte, täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, mehr als sechs Millionen Berufspendler seien auf die Bahn angewiesen.